ANC liegt vorne
Der ewige Präsident

Korruption, Skandale, Diskriminierung: Südafrikas Präsident Zuma hat viele negative Eigenschaften. Deswegen regt sich langsam Widerstand. Bei der Parlamentswahl liegt sein ANC dennoch deutlich vor der Konkurrenz.
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Für allzu schlau scheint Jacob Zuma seine Wähler nicht zu halten. Als der südafrikanische Präsident zu Wochenbeginn ein letztes Mal vor den Wahlen an diesem Mittwoch vor die Presse tritt, reagiert er reichlich pikiert, als er auch dort wieder auf den illegalen Ausbau seiner Privatresidenz Nkandla mit Steuergeldern in Höhe von fast 20 Millionen Euro angesprochen wird. „Nklandla beschäftigt nur diese ganz schlauen Leute, die ganz cleveren. Leute eben, die glauben, sie könnten mir damit an den Karren fahren“ schießt Zuma genervt zurück. Für ihn und seine Wähler sei das Ganze kein Problem. „Wir werden die Wahlen trotzdem haushoch gewinnen.“

Ganz falsch liegt der 72-Jährige damit nicht: Obwohl ein Untersuchungsbericht im März zu dem Schluss kam, dass der Polygamist und seine weitläufige Familie, darunter vier Ehefrauen, beim Ausbau seines Privatanwesens auf „unethische“ Weise massiv von Steuergeldern profitiert haben, scheint die enorme Geldverschwendung seine Wähler kaum zu stören. Vielleicht einen, maximal zwei Prozentpunkte, so glauben die Wahlforscher, würde Zuma ein Skandal kosten, der anderswo einen Präsidenten aus dem Amt gefegt und seiner Partei die Macht gekostet hätte. Man will sich den Aufschrei jedenfalls nicht vorstellen, wenn ein westlicher Staatschef eine solche Summe einfach in den Ausbau des eigenen Privathauses gesteckt hätte. Zuma scheint jedoch auch diesmal davonzukommen – wieder einmal.

Nach Auszählung von rund 23 Prozent der Stimmen liegt der Afrikanische Nationalkongress (ANC) von Präsident Zuma bei der Parlamentswahl mit 56,36 Prozent klar vorne. Laut Wahlkommission kommt die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) am Donnerstagmorgen auf 30,41 Prozent. Vor fünf Jahren waren es 16,6 Prozent. Die neue linksradikale Partei Kämpfer für Wirtschaftsfreiheit (EFF) des Populisten Julius Malema erreicht derzeit 3,88 Prozent. 2009 hatte der ANC 66 Prozent erreicht.

Die Loyalität zum ANC, die viele schwarze Südafrikaner auch 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid noch immer für jene Partei empfinden, die sie vom Joch der weißen Vorherrschaft befreit hat, sitzt tief. All dies ist umso verblüffender, als sich in der Zuma-Ära ab 2009 ein Skandal an den nächsten reiht – und der ANC sich von den moralischen Werten des im Dezember verstorbenen Nelson Mandela weit entfernt hat.

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