ANC winkt erneut eine satte Mehrheit
Apathie statt Apartheid

Zehn Jahre nach dem Ende der Rassentrennung wählen die Südafrikaner zum dritten Mal ein neues Parlament. Die Bilanz der Regierungspartei ANC ist gemischt: Fehlende Jobs und die halbherzige Aids-Bekämpfung haben manchen Wähler ernüchtert, doch noch zehrt die Partei von der Aura als Widerstandsbewegung.

KAPSTADT. Wenn man von Ratschlägen und Zukunftsprognosen leben könnte, wäre Südafrika ein reiches Land. Kaum eine andere Gesellschaft ist in den letzten Jahrzehnten derart gründlich analysiert worden – und keine andere hat ähnlich viele Untergangsszenarien produziert. An dem unterschwelligen Pessimismus hat sich auch nach dem friedlichen Ende der Apartheid im April 1994 wenig geändert: Als vor zehn Jahren die ersten allgemeinen Wahlen am Kap anstanden, machte sich Weiß-Südafrika angesichts der damit verbundenen sicheren Machtübergabe an eine schwarze Regierung auf das Schlimmste gefasst und hortete das Notwendigste: Kerzen und Corned Beef waren landauf, landab ausverkauft, weil ein Zusammenbruch der Strom- und Lebensmittelversorgung befürchtet wurde.

Zehn Jahre danach, am heutigen Mittwoch, stehen wieder Wahlen in Südafrika an. Was vor zehn Jahren noch Panik auslöste, ist heute selbstverständlich geworden. Südafrika ist nicht kollabiert oder in einem Rassenkrieg versunken. So falsch sich viele Prognosen über das Land in der Vergangenheit erwiesen haben, so einig sind sich die Beobachter diesmal doch in einem Punkt: Sieger der heutigen Wahl wird mit Sicherheit der Afrikanische Nationalkongress (ANC). Unklar ist allein die Höhe des Wahlsieges. Nach letzten Umfragen ist sogar eine Zweidrittelmehrheit möglich, die es dem ANC zumindest theoretisch erlauben würde, die Verfassung im eigenen Sinne zu ändern. Und da der neue Präsident von der Mehrheitspartei gestellt wird, besteht kein Zweifel daran, dass es auch künftig der bisherige Amtsinhaber Thabo Mbeki sein wird.

Der ANC wird aber nicht nur auf nationaler, sondern auch regionaler Ebene eine klare Mehrheit erringen. In sieben der neun Provinzen wird die frühere Widerstandsbewegung über 50 % der Stimmen erhalten. Lediglich in den Provinzen Westkap sowie in Kwazulu-Natal, wo die Minderheiten der Mischlinge und Inder das Zünglein an der Waage sind, dürfte der ANC auf die Bildung einer Koalition angewiesen sein.

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