André Glucksmann
Vom Maoisten zum Verteidiger der Menschen

Kommunist, Maoist und Gegner von totalitären Staaten: André Glucksmann gehört zu den wichtigsten und umstrittensten Intellektuellen Frankreichs. Regelmäßig schockierte er die öffentliche Moral. Nun ist er gestorben.

ParisAndré Glucksmann hat sich für den Kommunismus eingesetzt und ihn später als barbarisch angeprangert. Als linker Intellektueller unterstützte er 2007 im Präsidentschaftswahlkampf den konservativen Politiker Nicolas Sarkozy.

Er sei kein bedingungsloser Linker, erklärte er sein Engagement, das er später jedoch bereute. Glucksmann, der in der Nacht zu Dienstag im Alter von 78 Jahren gestorben ist, gehörte zu Frankreichs bedeutendsten, aber auch umstrittensten Intellektuellen der Gegenwart.

Im Mai 1968 demonstrierte er gegen den autoritären Geist der konservativen Gesellschaft und ging neben Jean-Paul Sartre auf die Straße. Wie er, war auch Sartre ein überzeugter Kommunist. Mitte der 70er Jahre vollzog er jedoch eine Kehrtwende und schloss sich den „Neuen Philosophen“ an, die eine radikale Abkehr vom Kommunismus forderten.

Auslöser seines Gesinnungswandels seien der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn und sein Buch „Archipel Gulag“ gewesen, das ihm die Augen geöffnet habe, wie er damals gestand. In seinem 1976 erschienenen Buch „Köchin und Menschenfresser“ rechnet er mit stalinistischen und marxistischen Systemen ab.

Von nun an bekämpfte Glucksmann in seinen Streitschriften jegliche Form von Totalitarismus. In „Die Meisterdenker“ rechnete er mit den deutschen Philosophen Fichte, Hegel und Nietzsche ab. Ihnen warf er vor, mit ihren romantisch-mythischen Überhöhungen der totalen und endgültigen Revolution zur Gründung eines totalitären Staates beigetragen zu haben.

„Um sich empören zu können, muss man sich gegen sich selbst empören“, erklärte Glucksmann. Eine Grundhaltung, mit der der Philosoph, mit den längeren grauen Haaren, regelmäßig für Aufsehen sorgte. Im Jahr 1999 befürwortete er die Intervention der Nato gegen Slobodan Milosevic in Jugoslawien und 2003 unterstützte er den Krieg der USA im Irak. Nach den Attentaten vom 11. September 2001 forderte er einen Krieg gegen die internationalen Mörder.

Glucksmann hat sich in seinem Kampf gegen Despoten und totalitäre Regime auch dem Glauben an Humanität und Brüderlichkeit verschrieben. „Wie wir helfen können? Indem wir beginnen, laut und unmissverständlich Klartext zu reden, indem wir falsche Ausflüchte und Vorwände in entscheidenden Kernfragen aufdecken.“

Seite 1:

Vom Maoisten zum Verteidiger der Menschen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%