Andreas Schmitz

„Der Euro wird nicht an Griechenland scheitern“

Für Bankenpräsident Andreas Schmitz ist ein Ausstieg Deutschland aus dem Euro undenkbar. Die Rückkehr zur D-Mark wäre ein "Selbstmord aus Angst vor dem Tod", sagt der Top-Banker im Interview mit dem Handelsblatt.
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Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB). Quelle: dpa

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB).

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Was ist die politische Herausforderung der Zukunft?

Andreas Schmitz: Eine entscheidende Herausforderung ist, wie sich die westlichen Demokratien wirtschaftspolitisch im Vergleich zum Staatskapitalismus mit seinen kurzen Entscheidungswegen aufstellen. Trotz aller politischer Probleme: Bis jetzt ist etwa China mit seinen hohen Wachstumsraten und dem steigenden Wohlstand ein wirtschaftliches Erfolgsmodell.

Übertragen auf Deutschland. Sollten wird die Bankenbranche angesichts der vielfältigen Probleme, die aus der Finanz- und Schuldenkrise herrühren, verstaatlichen?

Das wäre keine Form von Staatskapitalismus. Das wäre ein massiver Eingriff in die Wirtschaft. Eine an die Demokratie angelehnte Mischform wäre der französische Dirigismus. Die Franzosen greifen viel mehr in ihre Wirtschaft ein als wir Deutsche. Deswegen verstehen sie auch nicht das Geheimnis des deutschen Aufschwungs, den vor allem die starken Unternehmen tragen, die Regierung schafft dafür den Rahmen. In Frankreich versucht die Regierung hingegen selbst unternehmerisch zu handeln. Bei uns kann es daher jetzt nicht um eine Verstaatlichung der Banken gehen. Mir geht es in diesem Punkt um die Schnelligkeit von Entscheidungsprozessen. Man könnte höchstens vom Staatskapitalismus lernen, wie setze ich politische Entscheidungen sofort in voller Breite in der Gesellschaft um. Allerdings brauchen wir natürlich die demokratische Legitimation.

Haben wir in 20 bis 30 Jahren überhaupt noch den Euro?

Ja, schon. Aber da der Euro gerade einmal zehn Jahre existiert, ist es schwer, über einen so langen Zeitraum nach vorne zu blicken. Anders herum formuliert: Wir werden ihn nicht mehr haben, wenn es zu einer Transferunion in Europa kommt, in der die Verträge auf dem Papier geändert wurden, in der Realität aber alles beim Alten bleibt. Dann wird der Euro sterben.

Geht es genauer?

Die Politik muss sich zwischen zwei Varianten entscheiden. Einmal wäre das die klassische Form der Transferunion, wie wir sie in Deutschland durch den Länderfinanzausgleich letztlich auch kennen. Die andere Variante wäre eine Währungsunion Kerneuropas oder gar die Rückkehr zur D-Mark.

…Rückkehr zur D-Mark?

Das wäre für mich Selbstmord aus Angst vor dem Tod, angesichts der Aufwertung die zu erwarten wäre. Das würde das Exportland Deutschland empfindlichst treffen. Unsere Waren würden wegen der nötigen Preiserhöhungen unattraktiv.

Können Sie sich vorstellen, dass nur Deutschland aus der Währungsunion aussteigt?

Nein. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass die Währungsunion – wenn sie denn scheitert – nicht am schwächsten Mitglied, an Griechenland scheitern wird. Da schon eher an Ländern wie Deutschland und Frankreich. Gerade die Starken müssen daher Solidarität mit den Schwachen zeigen und diese zum Teil auffangen, sie unterstützen. Aber angeschlagene Länder wie Griechenland besitzen auch ein gerüttelt Maß an Selbstverantwortung, ihre Lage zu verbessern.

Das ist doch unrealistisch. Schauen Sie doch nur Richtung Italien, wo Sparmaßnahmen angekündigt, wieder aufgeweicht und dann wieder angekündigt werden. Was sollen wir den Politikern noch glauben?

Was in Italien passiert empfinde ich als Farce. Da hilft die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Emission von italienischen Staatsanleihen durch Aufkäufe, entlastet die italienische Regierung und schon erinnert sich dort niemand mehr an die vorher gemachten Zusagen. Berlusconi musste erst wieder durch den Druck der Märkte auf den Pfad der Haushaltskonsolidierung zurück gebracht werden.

„Griechenland sehe ich mit anderen Augen“
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12 Kommentare zu "Andreas Schmitz: „Der Euro wird nicht an Griechenland scheitern“"

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  • Nein, der Euro wird nicht an Griechenland scheitern, aber an
    Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien usw.
    Wer will und kann all die schwarzen Löcher stopfen?
    Euroland ist abgebrannt.
    Demokratiedefizit

  • Alles dummes Zeug....Wir erhalten lediglich die Banken mit allen Rettungsschirmen am Leben bzw sorgen dafür das diese liquide sind und rentabel mit Zins und Zinseszins immer neue Gewinne einfahren können.Allerdings werden solche Statements auch immer durchschaubarer...

  • Eurovernichter Trichet druckt 2000 Milliarden und mehr Euros und flutet die Märkte mit Papier und in Bayern sind die Preise seit Einführung des Euros um 100% gestigen und innerhalb der letzten 12 Monate explodieren die Immoblien-und Mietpreise um 20-30%. Die offiziellen Inflationsrate liegen natürlich viel niedriger.

    Währungshüter Trichet vernichtet den Euro, weil keinen bei der EZB und bei den Euroländern die Maastricher Verträge interessiern. Nur Schäuble saugt die abhängig Beschäftgten in Deutschland mit immer höheren und neuen Steuern und Abgaben aus.
    Warum sollen da Italien und Griechenland sparen. Die Staatsobligationen aller Länder kauft eh Trichet auf.

  • Nur ein Tropf-Ökonom kann auf die Idee kommen, daß China ein wirtschaftliches Erfolgsmodell ist. Noch vor 25 Jahren hatte ein Durchschitts-Chinese nicht mehr als sein Einheitsdress und die Mao-Fiebel. Ein Fahrrad bedeutete schon "Luxus" und betraf lediglich Stadtbewohner. 90% der Bevölkerung lebte auf dem Land. Bis dahin war die Sowjetunion Hauptlieferant hauptsächlich für Waffen, die dann auch bis heute kopiert werden.
    Hongkong und daran angrenzend Shenzhen sind die eigentlichen Auslöser einer Wirtschaftsentwicklung, die auf Billigprodukte basiert. Aber es kommt alles von außen, es wird westliche Technologie kopiert, man darf für Devisen Immobilien erwerben ohne je Eigentümer von Grund und Boden zu werden. -Wer auf fremden Grund ein Haus baut, kann bestenfalls mit einem Dankeschön rechnen.-

    Wenn heute fast jeder zweite Chinese in der Stadt wohnt, dann ist es so, als wären alle europäischen Städte und Infrastrukturen neu gebaut worden. Das das mit dem Volksgeld nicht zu machen ist, dürfte jedem Ökonomen eigentlich klar sein; aber der ist ja nur auf Gewinne fixiert und nicht auf Lug und Trug dieser Art. Dennoch hat China eine Verschuldung von 180% am BIP und eine Geldentwertung, die selbst den Dollar mitreißt.
    An China ist lediglich die konsequente Dreistigkeit des Vorgehens bewundernswert.
    Solide Wirtschaft sieht anders aus.

  • Der Bankenpräsident möchte doch nur, dass Deutschland noch mehr Geld in die Märkte und Banken pump, damit auch jeder bei den Banken ein Jahresgehalt von 1 Million Euro und mehr hat.
    Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob Deutschland vom Euro austritt, sondern dass man Länder nicht zu retten versucht, die nicht mehr zu retten sind, damit man letztlich nur die gefräßigen Banken rettet und diese noch mehr Geld vollstopft.. Lasst doch Griechenland und ein paar Banken pleite gehen und dann kann Griechenland neu starten. GM geht es nach der Insolvenz besser wie vorher. Alles andere ist Harakiri und wenn man versucht einen Ertrunken zu retten, kann man leicht selbst ertrinken. Jetzt versuchen aber alle verzweifelt, die Märkte auszuhebeln und schaffen immer größere Finanzmonster, die die Politiker zu immer größerem Unsinn zwingen. Die Gier der Banker hat schließlich diese Dauerfinanzkrisen ausgelöst. Die DM war eine 50jährige Erfolgsgeschichte und der Euro mit immanentem Systemfehler, weil er hemmungsloses Schuldenmachen der Sparunwilligen und Reformunfähigen fördert. Die EU, die EZB und die Rettungsschirme sind ein Selbstbedienungsladen, bei dem sich jeder solange maßlos und skrupellos bedient, solange es ein dummen Finanzier gibt.
    Europa und seine Länder wird es noch lange geben, auch wenn der Euro schon lange Geschichte ist wie die letzten Währungsreformen. Dumm sind nur die, die den Banken Euronen anvertraut haben, weil die haben sich ins Nichts aufgelöst. Glücklich sind die, die Immoblien, Gold oder andere Sachwerte und ihre Euronen in nach Norwegen, Kanada, Australien, die Schweiz usw. gebracht.
    Glauben Sie, dass der Schweizer Ackermann nur einen Euro besitzt. Der müßte doch blöd sein.

  • aber (siehe letzter Artiker):
    „Euro-Austritt wäre weit teurer als erwartet“
    Also was nun? Jeder möge selbst urteilen, ob er sich noch weiter ver... lassen möchte!

  • der Euro muss gar nicht an Griechenland scheitern. Das erledigen andere viel effektiver. Gestern hat Italien vom BVG grünes Licht für ein "weiter so" bekommen.
    Und diese Schuldenbombe der Extraklasse, wird den hochsolidarischen "Rettungseuropäern" endgültig das Genick brechen.

  • Was Herr Schmitz sagen will, es aber nicht drastisch formulieren darf ist: Den Politikern glaubt keiner mehr.

    Daher dieses D hat als Erster usw.

    Fakt ist, der Maastrichtvertrag hat immer noch Gültigkeit aber keiner interessiert sich dafür. Die Zeiten in denen ein FJS sagte: "pacta sund servanda", weil er die von ihm bekämpften Ostverträge einhielt als er wieder mitregieren konnte, sind offensichtlich vorbei.

    Die Glaubwürdigkeit der Politik, die Herr Bosbach so tapfer versucht zu verteidigen, die ist längst nicht mehr vorhanden. Ob griechische Politiker jetzt "kreative" Statistiken erstellen oder deutsche sich nicht an geltende Verträge halten mag moralisch ein Unterschied sein, für die Glaubwürdigkeit ist beides Gift.

    Das Vertrauen in Zusagen der Politik ist dahin.

    So wie kommen wir da jetzt raus?

    Mit Eurobonds, EFSF oder ESM?

    Ist technisch alles das Gleiche, zentral begebene Anleihen für die alle haften. Da mag Herr Schäuble gegen Eurobonds wettern soviel er will, sein EFSF oder später ESM ist nicht anders und nur so nebenbei, ein glatter Verstoss gegen den Geist des Lissabonvertrages, auch wenn man das juristisch umschifft hat.

    Euro platt und zurück zur DM oder Nordeuro klingt so schön einfach, ist aber tatsächlich Selbstmord aus Angst vor dem Tod, wie es hier in einem anderen Interview formuliert wurde.

    Was bleibt?

    Vertrauen schaffen!
    Ein Vertragswerk das auch künftige Regierungen nicht umgehen können, ausgestattet mit klaren Regeln und klaren Sanktionen. Sicherheit für neu Investoren durch die Schaffung von senior/blue Bonds.
    Dies würde den Anleihemarkt dazu bringen die Notwendige Zeit für Reformen zu finanzieren und nicht die Steuerzahler der anderen Länder.
    Die Zeit muss genutzt werden um den schwächeren Ländern den Anschluss zu ermöglichen und die Finanzinstitute zu stärken, damit eine Staatspleite im Euroraum nicht mehr alternativlos ist.
    Welchen Sinn hat eine Strafe Wert die nie verhängt wird?
    http://cefa.want2blog.net

  • Ok, Deutschland hat also "die Defizitkriterien als Erster gerissen".

    ""Sofort kamen ihm alle Euro-Länder mit Milliarden-Garantien und Krediten zu Hilfe!!!"" denn man hat sich doch lieb.

    Und weil Deutschland die Defizitkriterien gebrochen hat, müssen wir jetzt eben blechen!!

    Weil ich also ein Halteverbot nicht beachtet habe, muß ich den Schaden des Autofahrers bezahlen, der Nachts auf der Gegenfahrbahn der Autobahn, ohne Licht gefahren ist.

    Ist doch logisch!! (Bei Bankern und Politikern.)

    So, so, dies ist also ein Top-Banker!!

  • Was wäre wenn????

    Tatsache ist, die Griechen sind Foulspieler und Schmarotzer. Sie lügen und betrügen (wir geben ihnen ungedeckte Kredite, sie kaufen massenhaft Gold).

    ## Rettet den Euro, schmeisst die Foulspieler endlich aus dem €-Spiel ###

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