Anerkennung Jerusalems
„Die US-Pläne kommen einer Kriegserklärung gleich“

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„Der US-Präsident lässt sich durch Drohungen nicht einschüchtern“

Ein hochrangiger Berater von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas warf den USA vor, sich ganz auf die Seite Israels gestellt zu haben. Der Nahe Osten werde „auf den Kopf gestellt“, sagte Abdallah Frangi, Gouverneur von Gaza, im Deutschlandfunk. Die Vermittlerrolle von Trump in der Region hätte sich damit erledigt. “Ich glaube, die Mehrheit der Weltgemeinschaft ist gegen diesen Schritt des amerikanischen Präsidenten.“

Die US-Pläne seien ein „Gewaltakt“, sagte Frangi. Er fürchte, dass die Betroffenen darauf sehr stark reagierten und dass dies „sehr unangenehm werden wird, auch für die USA“. „Und diese Politik wird dazu führen, dass die Aktionen unberechenbar werden könnten.“ Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels käme nach Ansicht des palästinensischen Vertreters in Großbritannien einer Kriegserklärung gleich. „Das ist der Todeskuss für die Zweistaatenlösung“, sagt Manuel Hassassian der BBC.

„Der US-Präsident lässt sich durch Drohungen nicht einschüchtern“, sagte Geheimdienstminister Katz. „Er glaubt, dass Jerusalem Israels Hauptstadt sein muss.“ Die Anerkennung Jerusalems sei bedeutsamer als die Verlegung der Botschaft, „die auf natürliche Weise später folgen wird“. Regierungschef Benjamin Netanjahu äußerte sich etwas zurückhaltender. Er betonte lediglich das „einmalige Bündnis“ mit den Vereinigten Staaten. „Die US-Unterstützung für Israel ist sehr stark, die Kurve steigt immer weiter an“, sagte Netanjahu bei einer Konferenz in Jerusalem am Mittwoch.

Papst Franziskus setzt sich in einem Gespräch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für den Erhalt des gegenwärtigen Status von Jerusalem ein. Er rief am Mittwoch zu „Weisheit und Vorsicht“ auf, um weitere Konflikte zu vermeiden. Er sei „zutiefst besorgt“ über die jüngsten Entwicklungen, sagte Franziskus, und nannte Jerusalem einen einzigartigen und heiligen Ort für Christen, Juden und Muslime, der eine „besondere Berufung für Frieden“ habe. Er rief dazu auf, „dass jeder den Status quo der Stadt respektiert“, den Jerusalem UN-Resolutionen zufolge habe. Auch Abbas selbst rief sein Volk zur Einheit auf. „Wir haben für den Erfolg der Versöhnung gearbeitet“, zitierte ihn am Mittwoch die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die nationale Einheit sei die wahre Antwort auf alle Versuche, die durch internationale Gesetze garantierten Rechte der Palästinenser zu verletzen.

Die Bundesregierung warnt bereits vor Ausschreitungen in Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen. Von diesem Mittwoch an könne es in diesen Gebieten zu Demonstrationen kommen, heißt es in den am Dienstag aktualisierten Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes. „Gewalttätige Auseinandersetzungen können nicht ausgeschlossen werden.“ Die Bundesregierung rief dazu auf, sich über die lokalen Medien zu informieren und die betroffenen Gebiete zu meiden.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anerkennung Jerusalems: „Die US-Pläne kommen einer Kriegserklärung gleich“"

Alle Kommentare
  • Es gibt Dumme, Saudumme und solche, die den Hut mit dem Hammer aufsetzen. Es reicht wohl nicht, dass die USA in Syrien sang- und klanglos gescheitert ist, ebenso mit ihrem "arabischen Frühling". Jetzt bringt Trump auch noch die gemäßigten Staaten gegen die USA auf. Es wird mit ziemlicher Sicherheit in den Palästinensergebieten und Israel zu Ausschreitungen kommen. Die Toten und Verletzten gehen auf das Konto von Trump.

  • Aus http://www.handelsblatt.com/politik/international/israel-trump-will-offenbar-us-botschaft-von-tel-aviv-nach-jerusalem-verlegen/v_detail_tab_comments/20674178.html:

    „"Der US-Kongress hatte 1995 ein Gesetz beschlossen, das die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem vorsieht. Seitdem haben aber alle US-Präsidenten aus Sorge vor politischen Turbulenzen alle sechs Monate ein Dekret unterzeichnet, das die Gültigkeit des Gesetzes aussetzt. Den jüngsten Termin für die Unterzeichnung hat Trump verstreichen lassen."

    Warum jetzt auf einmal nicht mehr? Was soll das??

    Noch einmal: MUSS DAS SEIN???

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