Anfangsverdacht um Schmiergeldzahlungen
Deutsche Firma wegen Zahlungen an Saddam im Visier

Im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen an das Regime des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein hat die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen aufgenommen. Im Visier steht die niedersächsische Arzneimittelfirma Lomapharm.

HB HANNOVER. Es bestehe ein Anfangsverdacht wegen Bestechungsdelikten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover am Dienstag. „Die Summe liegt im unteren fünfstelligen Bereich.“ Der Geschäftsführer der mittelständischen Firma in Emmerthal, Bernd Kuglin, wies die Vorwürfe zurück. „Wir haben kein Geld an eine irakische Stelle überwiesen“, sagte er. Rund 2200 Firmen sollen im Zusammenhang mit dem UN-Programm „Öl für Lebensmittel“ Saddams Regierung bestochen haben, um an Aufträge zu kommen.

Die Ermittlungen gegen Lomapharm stünden ganz am Anfang, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Aufmerksam geworden sei man wegen des Berichtes der Untersuchungskommission unter dem früheren US-Notenbak-Chef Paul Volcker. Dem Volcker-Bericht zufolge soll Saddam durch Schmiergeldzahlungen 1,8 Milliarden Dollar für eigene Zwecke auf die Seite geschafft haben.

Kuglin sagte, seine Firma habe zwar Ende 2002, Anfang 2003 einen Auftrag für Arzneilieferungen in den Irak im Volumen von 380 000 bis 400 000 Euro ausgeführt. Das sei aber wie in solchen Fällen üblich über einen Vermittler in Jordanien gelaufen. „Wir hatten keinen Kontakt zu irakischen Behörden“, sagte Kuglin. „Wir wissen auch nicht, wie wir auf die Firmen-Liste kommen.“

Das 64 Milliarden Dollar umfassende Programm „Öl für Lebensmittel“ erlaubte es dem Irak von 1996 bis 2003, in kontrolliertem Rahmen Öl zu verkaufen und im Gegenzug Lebensmittel und Medikamente zu verkaufen. Dies sollte die Folgen der Wirtschaftssanktionen mildern, die 1990 nach dem Einmarsch des Irak ins Nachbarland Kuwait verhängt worden waren.

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