Angaben aus US-Kreisen
Nordkorea bereitet Atomtest womöglich schon vor

Der von Nordkorea angekündigte Atomwaffentest hat international Besorgnis ausgelöst. Das Land trifft nach US-Angaben möglicherweise bereits Vorbereitungen für seinen ersten Atomtest. Die Bush-Regierung dringt im Uno-Sicherheitsrat auf ein entschiedenes Vorgehen.

HB WASHINGTON/PEKING. US-Aufklärungssatelliten hätten ungewöhnliche Bewegungen von Fahrzeugen und andere Aktivitäten auf möglichen Testgeländen registriert, hieß es am Mittwoch in US-Verteidigungskreisen. Diese könnten auf einen unterirdischen Test hinweisen. Die Indizien seien aber nicht eindeutig, fügte er hinzu. Da Nordkorea bislang noch nie Atomwaffen getestet habe, wüssten die USA nicht genau, wonach sie suchten.

Nordkorea hatte am Dienstag einen ersten Atomtest angekündigt, ohne aber einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Die kommunistische Regierung begründete den Schritt mit einer wachsenden Bedrohung durch die USA. Die Ankündigung hatte im Westen zu großer Besorgnis geführt. Die Europäische Union (EU) erklärte, das Verhalten Nordkoreas sei unverantwortlich und trage zu einer Eskalation der Situation bei. „Diese Ankündigung verschärft die Spannungen und untergräbt die Stabilität in der Region“, warnte die EU. Auch die Außenminister Russlands und Südkoreas, Sergej Lawrow und Ban Ki Moon, verurteilten die Erklärung. Die Minister seien sich einig, dass Nordkoreas Pläne „inakzeptabel“ seien, hieß es in Moskau nach einem Telefongespräch der beiden Politiker.

China forderte derweil mehr Zurückhaltung von seinem Verbündeten: „Wir hoffen, dass Nordkorea in der Frage die notwendige Ruhe und Zurückhaltung walten lässt“, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Gleichzeitig warnte China die internationale Gemeinschaft, nicht zu einer Verschärfung der Spannungen beizutragen. Der Konflikt müsse durch Dialog und Verhandlungen gelöst werden, hieß es.

China will Angelegenheit im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche regeln

Während die USA, Japan und Frankreich eine Reaktion der Vereinten Nationen (Uno) auf die Drohung Nordkoreas forderten, will China die Angelegenheit im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche regeln. Diese Verhandlungsrunde zwischen Nordkorea, Südkorea, China, den USA Russland und Japan liegt allerdings seit fast einem Jahr auf Eis - blockiert vor allem von Nordkorea.

In Südkorea machte die Regierung deutlich, sie werde nicht zulassen, dass Nordkorea Atomwaffen besitze. Sie rief den Nachbarn auf, die Pläne für den Atomtest fallen zu lassen. Sie könnten ansonsten zu einer weiteren Eskalation an der letzten Grenze des Kalten Krieges führen. Uno-Generalsekretär Kofi Annan warnte, dass sich Nordkorea mit einem solchen Test selbst schaden würde. Das Land würde von der gesamten Staatengemeinschaft verurteilt werden und seine eigene Sicherheit untergraben.

Der Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm schwelt schon seit Jahren. In mehreren Runden der Sechs-Parteien- Gespräche ist es bislang nicht gelungen, das stalinistische Land zum Einlenken und zum Verzicht auf sein Atomprogramm zu bewegen. Diplomaten schlossen nicht aus, dass Nordkorea mit der Test-Drohung Druck auf die USA ausüben will, damit sie auf direkte Gespräche zwischen den beiden Staaten eingehen. Die USA lehnen dies jedoch ab und betrachten die Sechs-Parteien-Runde als bestes Gremium für Verhandlungen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%