Angaben schwanken zwischen drei und 20 Toten
China räumt Todesschüsse auf Demonstranten ein

Die chinesische Regierung hat nach tagelangem Schweigen blutige Zusammenstöße zwischen Bewohnern eines südchinesischen Dorfes und der Polizei bestätigt. Die Behörden gaben zu, dass Polizisten bei der Niederschlagung von Unruhen im Süden des Landes mehrere Menschen erschossen haben. Polizisten hätten am Dienstag auf die von „wenigen Unruhestiftern“ angestachelte Menge gefeuert, von der sie angegriffen worden seien. In dem Dorf patrouillierten am Sonntag rund 100 Polizisten.

HB PEKING. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete am Sonntag drei Tote, während Anwohner und Menschenrechtsgruppen zuvor von zwei bis 20 Opfern gesprochen hatten. Amnesty International zufolge ist die Gewalteskalation als dramatisch zu bewerten: Die Polizei habe erstmals seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 in Peking das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Ein staatliche Zeitung berichtete unterdessen, der verantwortliche Funktionär sei festgenommen worden.

Protestierende Bewohner der Dörfer Dongzhoukeng und Shigongliao in der Provinz Guangdong hatten laut Xinhua am Montag und Dienstag eine Windkraftanlage angegriffen. Bewohnern zufolge waren sie aufgebracht, da ihr Land im Zuge des Kraftwerksbaus ohne Entschädigung enteignet worden war.

Xinhua zufolge war es am Montag zu einem ersten Angriff auf die Anlage gekommen. Am Tag darauf hätten rund 170 bewaffnete Dorfbewohner, „aufgewiegelt von Rädelsführern“, dem Kraftwerk erneut zusetzen wollen. Die Protestler seien mit Knüppeln und Speeren in der Hand sowie mit Dynamitpulver, Brandsätzen und Zündkapseln ausgerüstet auf die Anlage vorgerückt, meldete Xinhua. Die Polizisten hätten daraufhin Tränengas gegen die Menge eingesetzt und zwei Demonstranten festgenommen.

Die Angreifer bildeten dann der Agentur zufolge einen Blockadering, um die beiden Festgenommenen freizubekommen. Ein Dorfbewohner habe den Polizisten per Lautsprecher mit dem Einsatz der Zündkapseln gedroht, sollten sie die Demonstranten nicht freilassen. In der hereinbrechenden Dunkelheit seien aus der „chaotischen Menschenmenge“ dann Zündkapseln geschleudert worden. „Die Polizei war gezwungen, unter Alarm das Feuer zu eröffnen. In dem Chaos starben drei Dorfbewohner, acht wurden verletzt“, meldete Xinhua. Die Ermittlungen zu den Vorgängen in dem Ort liefen noch.

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