Angeblich gefoltert worden
Saddam Hussein sieht sich als Opfer

Jahrelang hat Saddam Hussein den Irak mit brutaler Gewalt beherrscht. Doch nun sitzt der Ex-Diktator im Gefängnis und sieht sich selber in der Opferrolle. Er hat das US-Militär beschuldigt, ihn in der Haft misshandelt zu haben.

HB BAGDAD. „Ich bin von den Amerikanern geschlagen und gefoltert worden“, sagte Saddam am Mittwoch vor Gericht in Bagdad, wo der Prozess gegen ihn und sieben weitere Angeklagte im Zusammenhang mit einem Massaker an Schiiten fortgesetzt wurde. Zwei Zeugen erhoben dabei schwere Foltervorwürfe an Saddams Regime, die derart deutlich in dem Verfahren noch nicht geäußert wurden. Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Saddam betrat zehn Minuten nach dem kurdischen Vorsitzenden Richter Risgar Mohammed Amin den schwer bewachten Verhandlungssaal. Anfang Dezember hatte sich der von einer US-geführten Allianz gestürzte Präsident noch geweigert, weiter vor Gericht aufzutreten und damit für erhebliches Chaos und stundenlange Verzögerungen gesorgt. Er betrachtete das Gericht als illegal. Saddam ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Den Angeklagten droht bei einer Verurteilung der Tod durch den Strang.

„Jede Stelle meine Körpers ist geschlagen worden, und die Male sind auf meinem ganzen Körper zu sehen“, warf Saddam den USA vor. Die USA wiesen die Anschuldigungen umgehend zurück. Auch Saddam distanzierte sich von Foltervorwürfen, die Zeugen vor Gericht gegen ihn richteten: Diejenigen, die die Zeugen misshandelt hätten, müssten bestraft werden, erklärte er. „Wenn ich höre, dass einem Iraker Schmerz zugefügt wurde, schmerzt es mich.“

Zuvor waren die Angeklagten mit der bislang eindringlichsten Aussage in dem Prozess um das Massaker an mehr als 148 Bewohnern in dem schiitischen Dorf Dudschail von 1982 konfrontiert worden. Der Zeuge Ali Hassan al-Haidari war damals nach eigener Darstellung 14 Jahre alt. Er sagte aus, dass unter Saddam sein Bruder exekutiert und seine Familie danach festgenommen worden sei. Er sei in das Hauptquartier von Saddams Baath-Partei in Dudschail gebracht worden, vor dem neun Leichen gelegen hätten. Von dort habe man ihn in Saddams berüchtigte Geheimdienstzentrale in Bagdad verlegt, wo er schreckliche Folter-Szenen beobachtet habe. Unter anderem hätten die Wächter die Gefangenen mit Elektroschocks gequält. Ferner hätten sie Plastikschläuche geschmolzen, den flüssigen Kunststoff auf die Körper ihrer Opfer tropfen und dort hart werden lassen.

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