Angeblich jubelnde Iraker
US-Soldaten im Irak schwer unter Beschuss

Die Angriffe auf die Besatzungsmächte im Irak reißen nicht ab: dieses Mal geriet im Westirak eine US-Patrouille unter schweren feindlichen Beschuss. Der arabische TV-Senders El Arabija berichtet von mindestens acht toten US-soldaten. Die Meldungen über Tote und Verletzte sind jedoch widersprüchlich.

HB BAGDAD/BERLIN. Irakische Augenzeugen sprachen von 15 verletzten Amerikanern und zwei verletzten Irakern bei dem Zwischenfall in der Stadt El Chalidija. Von US- Seite gab es zunächst keine Stellungnahme.

Augenzeugen sagten, die Soldaten hätten nach dem Panzerfaustangriff auf einer Schnellstraße auf mehrere Häuser und zwei Fahrzeuge geschossen, darunter ein Auto der Nachrichtenagentur AP. Auch der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete von mehreren Todesopfern unter den US-Soldaten. Kurz nach dem Angriff transportierte ein US-Militärfahrzeug mindestens einen völlig zerstörten Lastwagen ab.

Anschließend zogen 200 Iraker jubelnd zum Ort des Angriffs. Einige von ihnen schwenkten Bilder des entmachteten Ex-Präsidenten Saddam Hussein. Am Vortag war in einem Saddam zugeschriebenen Tonband zum verstärkten Kampf gegen die US-Soldaten im Irak aufgerufen worden.

Die angespannte Sicherheitslage im Irak behindert nach Einschätzung deutscher Hilfsorganisationen den Wiederaufbau des Landes. Manuela Roßbach von der Aktion Deutschland Hilft (ADH) in Berlin sagte, die tägliche Bedrohung durch Kriminalität und Terror beeinträchtige die humanitäre Hilfe massiv. Als erstes Regierungsmitglied sprach sich Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) klar für eine Teilnahme Deutschlands an der Ende Oktober geplanten Irak-Geberkonferenz aus.

Finanzminister und Notenbankchefs aus aller Welt beschäftigen sich am Rande der IWF- und Weltbankjahrestagung in Dubai auch mit dem Problem der immensen irakischen Auslandsschulden. Das kündigte der IWF-Direktor für die Nahostländer, George Abed, in Dubai an. Der für den Irak zuständige Länderdirektor der Weltbank, Joseph Saba, hält nach eigenen Angaben einen teilweisen Schuldenerlass für unausweichlich. Die irakischen Auslandsschulden werden auf zwischen 90 und 120 Mrd. Dollar geschätzt.

Nach Berichten von El Arabija kam es auch in der nordirakischen Stadt Mosul zu Angriffen auf US-Soldaten. Nach Informationen des Senders El Dschasira hatten amerikanische Soldaten zuvor in El Kaim nahe der Grenze zu Syrien zwei Iraker erschossen, ohne dass Einzelheiten zu dem Vorfall bekannt wurden.

In der westirakischen Stadt Falludscha wurde ein am Vortag offenbar von US-Soldaten erschossener 14-jähriger Junge beerdigt. Er war nach Angaben von Augenzeugen auf der Straße getötet worden, als eine US-Patrouille mehrere Männer unter Beschuss nahm. Die Soldaten hätten offenbar nicht verstanden, dass es sich bei den Männern um Angehörige einer Hochzeitsgesellschaft handelte, die Freudenschüsse abgaben, sagten Augenzeugen.

Rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad geriet eine irakische Ölpipeline in Brand. Die Ursache des Pipeline-Brandes in Bedschi war unklar. Das US-Militär sagte, es sei noch nicht klar, ob es sich um einen Sabotageakt handele.

US-Präsident George Bush widersprach inzwischen der in Amerika weit verbreiteten Ansicht, dass der ehemalige irakische Präsident Saddam Hussein in die Terrorangriffe vom 11. September verwickelt sei. „Wir haben keinen Belege für die Verwicklung Saddams“, sagte Bush auf die Frage eines Journalisten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%