Angeblich sachliche Untersuchung
Umstrittene Holocaust-Konferenz in Iran eröffnet

In der iranischen Hauptstadt Teheran ist eine zweitägige „Holocaust-Konferenz“ von Außenminister Manuchehr Mottaki eröffnet worden. Teheran behauptet, über diese Konferenz das wahre Ausmaß der Judenermordung während des Nationalsozialismus erkunden zu wollen. Nicht dabei sein darf ein israelischer Araber, dessen Ansichten dem Iran offenbar nicht passen.

HB TEHERAN. „Ziel ist es, Denkern, die ihre Ansichten über den Holocaust in Europa nicht frei äußern können, ein Forum zu geben“, sagte Mottaki in seiner Eröffnungsrede. Damit bezog er sich darauf, dass ein Leugnen des Holocausts in mehreren europäischen Ländern verboten ist. Der Außenminister bezeichnete die Konferenz als ein Novum in der sachlichen Untersuchung des Holocausts, das in Zukunft auch zur Bildung einer so genannten Tatsachenfindungs-Kommission zu dem Thema führen könnte.

An der Konferenz nehmen nach offiziellen Angaben mehr als 60 ausländische Gäste aus 30 Ländern teil. Hierbei handele es sich nur um Wissenschaftler und Meinungsforscher, nicht jedoch um Neo-Nazis, wurde betont. Unter den Teilnehmern ist der französische Schriftsteller Georges Thiel, der den nationalsozialistischen Massenmord an den rund sechs Millionen Juden zwischen 1933 und 1945 als „riesige Lüge“ bezeichnet hat. An der Konferenz nehmen auch acht Rabbis teil, sechs der jüdischen Geistlichen kommen aus den USA und zwei aus Österreich.

Aus Deutschland wurden offiziell zwei Gäste eingeladen, aber ein Sprecher im iranischen Außenministerium sagte, dass sechs weitere Deutsche als einfache Touristen nach Teheran gekommen seien und ihr Visum am Flughafen erhalten hätten. Wer diese Personen genau sind, sei dem Außenministerium unbekannt, erklärte der Sprecher.

Die Konferenz wurde von Holocaust-Überlebenden, jüdischen Organisationen, Menschenrechtsgruppen und westlichen Regierungen heftig kritisiert. Die Veranstaltung beleidige die jüdische Gemeinschaft, sagte Moris Motamed, der einzige jüdische Abgeordnete im Parlament. In der Islamischen Republik Iran leben rund 25 000 Juden.

Angeregt wurde die Veranstaltung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der seit seiner Amtsübernahme im August 2005 mehrfach durch judenfeindlichen Aussagen aufgefallen ist. So bezeichnete er zum Entsetzen der internationalen Gemeinschaft den Holocaust als „Mythos“ und schlug vor, „Israel von der Landkarte zu tilgen“.

Dagegen verwehrte der Iran dem israelischen Araber Chaled Machmid, der in der Stadt Nazareth das einzige arabische Holocaust-Museum leitet, ein Visum und damit die Teilnahme an der Holocaust-Konferenz. „Dies ist eine politische Entscheidung“, sagte der Rechtsanwalt Chaled Machmid der „Jerusalem Post“. Das Institut, das die Konferenz veranstalte, habe ihn zunächst eingeladen, dann jedoch jeden Kontakt abgebrochen, nachdem seine israelische Staatsbürgerschaft bekannt geworden sei. Die Veranstalter hätten ihn offenbar zuerst für einen nicht-israelischen Palästinenser gehalten. Fast ein Fünftel der sieben Millionen Israelis sind Araber.

„Ich wollte die Holocaust-Leugner von Angesicht zu Angesicht treffen und ihnen beweisen, dass sie den Holocaust anerkennen müssen“, sagte Machmid der Zeitung „Jediot Achronot“. Machmid hält die bei vielen Palästinensern und Arabern vorherrschende Verleugnung des Holocausts für einen schweren Fehler. Er glaubt, dass das palästinensische Volk, das ebenfalls Leidtragender des Holocaust sei, nur durch Verständnis für die Traumatisierung des jüdischen Volkes den Grundstein für ein friedliches Zusammenleben legen kann.

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