Angeblicher Spaltungs-Beschluss
Belgien in Aufruhr nach Scherz-Reportage

Als ob die ARD um 20.15 Uhr über eine erneute Teilung Deutschlands berichten würde: In Belgien hat eine erfundene Sendung des französischsprachigen Fernsehkanals zur besten Sendezeit über die Spaltung des Staates landesweit Empörung ausgelöst.

HB BRÜSSEL. In Live-Reportagen berichtete der Sender RTBF, das flämische Regionalparlament habe die Unabhängigkeit des niederländischsprachigen Landesteils erklärt. Der Fernsehbericht vor dem Hintergrund des erbittert geführten Sprachenstreits in Belgien erschien so echt, dass tausende Zuschauer bei RTBF anriefen. Die Webseite des Senders war noch am Donnerstag überlastet. Am Vorabend hatten sich vor dem Königspalast in Brüssel spontan Dutzende Belgier versammelt, um mit Landesfahnen für die Einheit des Landes zu demonstrieren. 89 Prozent der Zuschauer hätten die Nachricht von der Spaltung für wahr gehalten, berichtete die Zeitung „De Morgen“ unter Berufung auf den Sender.

Politiker quer durch die Parteien kritisierten die Sendung. Ein Sprecher von Premierminister Guy Verhofstadt nannte die Polit-Fiktion des öffentlich-rechtlichen Senders einen „unpassenden Scherz“. Der einflussreiche Chef der frankophonen Sozialisten, Elio Di Rupo, sagte: „Zu einem Zeitpunkt, wo unser Land von separatistischen Bestrebungen erschüttert wird, ist es unverantwortlich und nicht staatstragend, glauben zu machen, dass die Flamen für ihre Unabhängigkeit gestimmt haben“. Die für Medien zuständige Ministerin der französischsprachigen Gemeinschaft, Fadila Laanan, forderte eine Untersuchung des Falls und bestellte den RTBF-Chef ein.

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