Angebliches Beweise für Atomwaffenprogramm
Uran-Funde setzen Iran unter Zugzwang

Nachdem die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in Iran offenbar Spuren von angereichertem Uran entdeckt hat, scheint die Regierung in Teheran einzulenken. Nach Auskunft des IAEO-Sprechers Mark Gwozdecky habe Iran jetzt seine Bereitschaft zu Gesprächen signalisiert.

BERLIN. Dabei dürfte es um die Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zum Nichtverbreitungsvertrag (NVV) gehen, das ein schärferes Kontroll- und Melderegime vorsieht. Iran hat dieses Zusatzprotokoll bislang nicht unterschrieben.

Die Informationen stammen aus einem internen und vertraulichen Bericht der IAEO, der Anfang September vorgelegt werden soll. Eine Delegation der Behörde hatte im Sommer im Bau befindliche Nuklearanlagen in Iran untersucht. Insbesondere die USA haben Teheran wiederholt vorgeworfen, heimlich an der Produktion atomwaffenfähigen Materials zu arbeiten.

Die Uranspuren sollen in der Anlage in Natans, rund 350 Kilometer südlich von Teheran, entdeckt worden sein. Danach war das gefundene Uran in höherem Maß angereichert, als dies notwendig sei, um einen Leichtwasserreaktor zu betreiben. Iran errichtet mit Hilfe Russlands in Buschehr einen solchen Reaktortyp. Das Bauvorhaben ist seit Jahren ein Streitpunkt zwischen Washington und Moskau. Allerdings hat sich Moskau verpflichtet, einmal gelieferte Brennstäbe auch wieder zurück zu nehmen.

Erwiesen sich die Meldungen als zutreffend, „dann wäre das zum ersten Mal ein nachgewiesener Verstoß gegen bestehende Verpflichtungen“, sagte Annette Schaper von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt. „Für die jetzt gefundene Anreicherung gibt es eigentlich keinen zivilen Zweck außer für Forschungsreaktoren, aber die haben die Iraner nicht“.

Die Skeptiker vermuten schon lange, dass der Bau einer Uran-Anreicherungsanlage in Natans nur dann Sinn macht, wenn sie zuvor experimentell getestet wurde. Nicht deklarationspflichtig ist der Betrieb der Anlage allerdings so lange, wie kein Nuklearmaterial eingefüllt ist. Bestätigen sich die jüngsten Meldungen, dann wäre dies jedoch nicht mehr der Fall.

Die Unklarheiten um das iranische Atomprogramm haben inzwischen auch Japan in die Kritik gebracht. Tokio, das das iranische Ölfeld Azadegan entwickeln will, soll nach amerikanischem Willen dies erst tun dürfen, wenn Teheran sein Atomwaffenprogramm auf Eis legt. Dem widersprach gestern die japanische Außenministerin Yoriko Kawaguchi. Öl und Atom seien zwei unterschiedliche Themen, sagte sie. „Und wir sind beim Öl zu 99 % vom Ausland abhängig.

In Peking haben derweil direkte Gespräche zwischen Nordkorea und den USA stattgefunden. Dabei habe Pjöngjang seine Bereitschaft angedeutet, „den Atomkonflikt im Dialog zu lösen“, sagte ein Mitarbeiter des südkoreanischen Außenministeriums. „Nordkorea hat wahrschinlich schon längst genug Plutonium für bis zu zwei Kernwaffen produziert“, sagt Annette Schaper von der HSFK. Der vermutete Besitz von Atomwaffen Nordkoreas gilt als größtes Sicherheitsrisiko Asiens.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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