Angeklagte bezeichnen Prozess als politisch motiviert
Zehn Jahre Haft für Yukos-Gründer gefordert

Im Betrugsprozess gegen den Gründer des russischen Energiekonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, hat die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe von zehn Jahren Haft gefordert. Sowohl Chodorkowski als auch der Mitangeklagte Yukos-Großaktionär Platon Lebedew haben bislang alle Vorwürfe des Betrugs und der Steuerhinterziehung zurückgewiesen.

HB MOSKAU. Sie bezeichnen den Prozess als politisch motiviert. Auch viele Beobachter vermuten eine Kampagne der russischen Regierung, weil der frühere Yukos-Chef politische Ambitionen gezeigt hatte. Chodorkowskis Anwalt zeigte sich von der Forderung der Anklage nicht überrascht. „Wir waren sicher, dass die Staatsanwälte das Maximum verlangen würden“, sagte er.

Chodorkowski und Lebedew selbst zeigten in dem überfüllten Gerichtssaal keine Reaktion auf die geforderte Haftstrafe. „Ich glaube, er freut sich nicht sehr darüber, aber er wird sich deswegen nicht die Haare ausraufen“, sagte der Anwalt des Ölmagnaten. Chodorkowski soll dem „Forbes“-Magazin zufolge einst über ein Vermögen von 15 Milliarden Dollar verfügt haben und galt als reichster Mann Russlands. Analysten zufolge gibt es kaum eine Chance, dass Chodorkowski frei gesprochen wird. Seinem Anwalt zufolge wird das Urteil voraussichtlich im Mai bekannt gegeben. Die Verteidigung hat um eine fünftägige Prozesspause gebeten, um dann auf die Forderung der Staatsanwaltschaft zu reagieren. Die Vorwürfe reichen bis zum Anfang der neunziger Jahre zurück, als Chodorkowski und andere russische Unternehmer bei Privatisierungen Milliardensummen verdient haben.

Hauptsparte wurde zwangsversteigert

Während der Zeit des Prozesses in den vergangenen Monaten fand auch der Niedergang des einstigen Öl-Giganten Yukos statt. Die Hauptsparte des Konzerns, Yugansk, war Ende vergangenen Jahres angesichts von Steuernachforderungen von umgerechnet mehr als 21 Milliarden Euro durch russische Behörden zwangsversteigert worden. Jetzt will das Tochter-Unternehmen bei seinem ehemaligen Mutterkonzern Yukos umgerechnet 1,73 Milliarden Euro (62,4 Milliarden Rubel) einklagen. Wie der neue Mutterkonzern von Yugansk, Rosneft, am Dienstag bekannt gab, wurde die Klage vergangene Woche beim Moskauer Schiedsgericht eingereicht. Einem Rosneft-Sprecher zufolge klagt die neue Hauptsparte wegen Öllieferungen von Juli bis Dezember vergangenen Jahres, für die Yukos nicht gezahlt haben soll.

Wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete, leiteten regionale Staatsanwälte zudem Ermittlungen gegen Manager der Yukos-Tochter Tomskneft ein. Ihnen werde vorgeworfen, umgerechnet knapp 110 Millionen Dollar unterschlagen zu haben.

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