Angela Merkel in China: Peking zeigt der eisernen Kanzlerin die Grenzen auf

Angela Merkel in China
Peking zeigt der eisernen Kanzlerin die Grenzen auf

Nett und höflich wird Angela Merkel auf ihrer Chinareise überall empfangen. Doch hinter den Kulissen ist ihr Spielraum mehr als eng begrenzt. Das gilt für Besuche von Regimekritikern genauso wie für Wirtschaftsfragen.
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Selbstbewusst ist Angela Merkel bislang in China aufgetreten - bei der Rede vor Akademikern, bei den formellen Gesprächen im Prachtbau am Tiananmen-Platz,  beim Treffen mit Premierminister Wen Jiabao. Doch Merkel als eiserne Kanzlerin – das überzeugt die Chinesen auch am zweiten Tag von Merkels China-Reise nicht.

Hier steht Europas mächtigste Politikerin, die aber gegenüber den Problemen im eigenen Wirtschaftsraum offenbar hilflos ist. Da konnte Merkel in großer wie in kleiner Runde noch so anschaulich vom Fiskalpakt und den künftigen Wachstumsperspektiven in der EU erzählen: Solange Europa nicht mit einer Stimme spricht, sieht China keinen rechten Sinn darin, aufmerksam zuzuhören.

Und dass China an seinen grundsätzlichen Linien auch während eines Staatsbesuchs nicht abrückt, hatte der jüngste Eklat gezeigt. Als „alte Freundin Chinas“ wird Merkel zwar hofiert. Aber hinter der Fassade verhinderte die Staatssicherheit ein Treffen mit einem Bürgerrechtsanwalt - auch eine kritische Zeitung soll Merkel besser nicht besuchen. Selbst eine eiserne Kanzlerin kann in China nicht mit jedem sprechen mit dem sie möchte.

Und was die Staatsschuldenkrise angeht: Im eigenen Land laufen die Rekapitalisierung der Finanzbranche oder die Unterstützung für rückständige Regionen reibungslos. Warum aber bekommt Europa das nicht hin, die Wiege moderner Wirtschaftskultur?

Immerhin: Regierungschef Wen Jiabao sagte bei Wirtschaftsgesprächen mit Merkel in der südchinesischen Metropole Guangzhou: „China ist bereit, mit Europa zu kooperieren, um gegen die gegenwärtige Krise anzugehen.“ Zuvor hatte Staats- und Parteichef Hu Jintao der Kanzlerin bei Gesprächen am Vormittag in Peking versichert, dass es an chinesischer Unterstützung zur Überwindung der Krise nicht fehlen werde, wie deutsche Regierungskreise schilderten.

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  • @david2012

    "Dass sie in China noch ein Foto mit dem Dalai Lama machen lassen kann, wäre sicher wunderbar, aber nicht so wichtig."

    Ach, ich fänd's offen gestanden - schöner, wenn sie das Photo mit dem Dalai Lama in _Tibet_ machen könnte. Aber ich befürchte, dann würde sich Roland Koch als alter Freund vom Dalai Lama mit auf's Bild drängeln ...

    Schon witzig, daß es heute vor allen Nitglieder der CDU sind, die den Dalai Lama cool finden und sich Sorgen um die Menschenrechte machen. Wer hätte das vor sagen wir einmal 30, 40 Jahren auch nur zu hoffen gewagt?

    Irgendwie ein Treppenwitz der Geschichte ...

  • @Friesentee

    "PS.: Ich habe nichts gegen China. Sind sehr nette Leute! "

    "Ich hab' nix gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Frede." (Methusalix)

  • @besserwisser

    Zu blöd: Ich weiss es _noch_ besser: Das ist keine Anspielung auf Bismarck - es ist eine auf Maggie Thatcher, die "Iron Lady". Das mit Bismarck ist nur Subtext.

    Was die Sache blöd macht: Der Vergleich mit Maggie ist komplett hirnrissig, weil beide aus vollkommen unterschiedlichen Positionen starteten, Maggie inmitten eines geradezu ruinierten Landes, Angie im gemachten Bett. Und - Maggie war ja wohl eher eine Cholerikerin vorm Herr, Angie ist ja wohl eher höflich und leise. Die gehtzum Lachen sicher in den Keller.

    Und jetzt kommt's: Noch blöder ist, daß der Vergleich mit Bismarck gar nicht mal so abwegig ist. Bismarck's Hauptziel bestand ja nicht (nur) in der Gründung eines Nationalstaats, ihm ging es ja vor allem (wer hätte das gedacht?) um den _Frieden_. Seine Politik war auf ein System gegenseitiger Verpflichtungen gebaut, die vor allem verhindern sollten, daß sich die Großmächte ständig an die Gurgel gingen.

    Und, nicht zu vergessen: Bismarck hat den Sozis das Wasser dadurch abgegraben, daß er Sozialversicherungen einführte. Wem da nicht sofort der Ausstieg aus der Kernkraft als Paralelle ins Auge springt, muss blind sein.

    Die Merkelsche faselt halt nicht von "Blut und Eisen", auf diese Art Schwachsinn steht nur einer wie "Weltenbrand", den es ja aus dem 19. Jahrhundert in die Jetztzeit verschlagen zu haben scheint und der über Bismarck sicher als Kindheitserinnerung besser Auskunft geben kann ...

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