Angela Merkel und der Gipfel von Minsk
Der Aufstieg der Kanzlerin in die Weltdiplomatie

Dank Angela Merkels Einsatz und ihrer angsteinflößenden Kondition gibt es Bewegung in der Ukraine-Krise. Erwächst daraus ein dauerhafter Frieden, wäre die Kanzlerin künftig bei der Lösung schwieriger Konflikte gefragt.
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BerlinImmer wenn die Welt dabei ist, aus den Fugen zu geraten, wendet sich der Blick Richtung USA – verbunden mit der Hoffnung, dass die Vereinigten Staaten es schon richten werden. Anders im Ukraine-Konflikt: Obwohl die Gefahr eines Flächenbrandes besteht, unternimmt Washington keinen ernsthaften Versuch, die kriegerischen Auseinandersetzungen diplomatisch einzudämmen. De facto fallen die Amerikaner als Konfliktlöser aus. Präsident Barack Obama überlässt diese Rolle lieber den Deutschen – und Kanzlerin Angela Merkel.

Als Merkel in Washington weilte, brachte es Obama selbst auf den Punkt, wie er die außenpolitische Rolle der Kanzlerin sieht. Er gratulierte ihr zu ihrer „führenden Rolle“ im Ukraine-Konflikt. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, ob der Gipfel in Minsk tatsächlich stattfinden geschweige denn so etwas wie eine Lösung bringen würde.

Obama ließ die Kanzlerin aber dennoch wissen: „Wenn es zum Erfolg kommen wird, dann wird das sicherlich auch mit der außerordentlichen Geduld und den Anstrengungen von Bundeskanzlerin Merkel und ihres Teams zu tun haben.“

Die Begegnung zwischen Obama und Merkel zeigt einmal mehr, wer derzeit das Sagen in der Weltpolitik hat. Alle schauen nicht auf den Präsidenten, sondern auf die Kanzlerin. Diese Woche wird Merkel sicher lange in Erinnerung bleiben. Eine Woche, um im Ukraine-Konflikt mit seinen schon mehr als 5500 Toten vielleicht doch noch eine Wende zum Besseren zu schaffen.

Ob die jetzt getroffene Vereinbarung einer Waffenruhe für die Ost-Ukraine beim Minsker Vierer-Gipfel tatsächlich den ersehnten Frieden bringt? Merkel ist gewieft genug, das Erreichte nicht als einen Durchbruch zu werten. Für sie ist es mehr ein Hoffnungsschimmer.

Sie habe aber keine Illusion, dass noch sehr, sehr viel Arbeit notwendig sei, um eine umfassende Lösung des Ukraine-Konflikts zu erreichen, sagte die Kanzlerin in Minsk. „Es gibt aber eine reale Chance, die Dinge zum Besseren zu wenden.“

Wie auch immer sich der Konflikt noch entwickeln wird, Merkel hat dadurch schon jetzt noch mehr an Größe gewonnen. Selbst die Linkspartei ist beeindruckt. „Sie hat deeskaliert, sie war eine Stimme der Vernunft, sie hat auch nicht die Forderungen, die aus den Vereinigten Staaten gekommen sind, in irgendeiner Weise erfüllt“, sagte Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch dem SWR. „Da können wir auch ausnahmsweise mal gemeinsam auf die Kanzlerin stolz sein.“

Fraktionschef Gregor Gysi bescheinigte der CDU-Vorsitzenden im MDR Standhaftigkeit, und der Linken-Außenpolitiker Stefan Liebich zollte der 60-Jährigen im ARD-Morgenmagazin „großen Respekt“.

Kommentare zu " Angela Merkel und der Gipfel von Minsk: Der Aufstieg der Kanzlerin in die Weltdiplomatie"

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  • @ Müller: Sie sind nicht zufällig Pastorin oder Gutmensch von Beruf? Wenn es uns Deutschen heute so gut geht...., dann nicht wegen Merkel, sondern trotz Merkel. Man vergesse nicht, dass Merkel die Fortune des Erntenden hat. Sie erntet die Früchte Schröders. Aber alles was Merkel sät geht nicht auf oder kostet nur irre viel Geld. Nur einige wenige Punkte: Energiepolitik - eine einzige Katastrophe; Bundeswehr - Schrott für Milliarden; Familienpolitik - Ergebnis: Immigranten statt Kinder und Schwulen- statt Familienpolitik; Europa und Finanzkrise: Deutschland haftet mit Milliarden und hat sich auf Generationen finanziell gebunden; Steueraufkommen: seit 10 Jahren ansteigend, trotzdem kein Geld für Infrastruktur, Haushaltskonsolidierung oder Schuldenabbau. etc pp

  • Mich interessiert nur der Preis den die deutschen Steuerzahler für ihren "Aufstieg" zu berappen haben.

  • Ich nehme an, der Artikel soll ein "Satire-Beitrag" sein. Das ist doch nicht erst gemeint mit "Der Aufstieg der Kanzlerin in die Weltdiplomatie". Die nägelkauende Phrasendrescherin aus der Uckermark nimmt doch niemand erst.

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