Angela Merkel zu Anschlägen
Zum Glück bleibt sich die Kanzlerin treu

Große Gesten, Worte und Ankündigungen sind in diesen Tagen gefragt. Doch das ist nicht der Stil der Kanzlerin. Sie beschränkt sich auf die Suche nach pragmatischen Lösungen – und das ist vernünftig. Ein Kommentar.
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BerlinDie Bundeskanzlerin wählt deutliche Worte. Die Anschläge der vergangenen Tage nennt Angela Merkel bei ihrem Auftritt vor der Bundespressekonferenz am Donnerstag „erschütternd, bedrückend, alarmierend“. Die Täter hätten „Angst, Tod und Schrecken“ über das Land gebracht. Man werde sich dem Terror entschieden entgegenstellen.

Dann listet Merkel neun Maßnahmen auf, die sie in den nächsten Wochen und Monaten umsetzen will. Es sind darunter keine revolutionären Neuerungen. Es geht vielmehr um die Vollendung bereits angekündigter Schritte.

Für Merkels Verhältnisse ist damit das größtmögliche Maß an Entschlossenheit und Tatkraft erreicht. Zu Merkels Markenzeichen zählen die Besonnenheit und das Abwarten.

Während beispielsweise der französische Präsident François Hollande meist kurz nach einem Attentat vor die Kameras tritt, um Entschlossenheit zu demonstrieren, war von der Bundeskanzlerin wie üblich tagelang nichts zu sehen. Zuletzt hatte es so ausgesehen, als ob sie mit ihrer Politik der sehr ruhigen Hand nicht weiter durchkommen würde.

Doch sie steuert nun behutsam gegen: Seht her, ich habe verstanden – das ist die Botschaft, die sie mit ihrem um mehrere Wochen vorgezogenen Auftritt vor der Presse aussenden will. Deutlich wie selten zuvor benennt sie die Probleme, die aus der Flüchtlingskrise erwachsen. Sie widersteht aber der Versuchung, neue Maßnahmen anzukündigen oder sich einfach an die seit einigen Tagen von der bayerischen Landesregierung vorgetragenen Forderungen anzuhängen.

Im Prinzip ist Merkels Vorgehensweise richtig. Ob sie allerdings auch vom Wahlvolk akzeptiert wird, muss sich erst noch erweisen. Große Gesten, große Worte und große Ankündigungen sind in diesen Tagen gefragt. Sie machen sich besonders gut in den elektronischen Medien. Merkel dagegen beschränkt sich darauf, dass Machbare zu skizzieren und nach pragmatischen Lösungen zu suchen. Das ist nicht spektakulär, aber es ist vernünftig und richtig.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Ich musste mich gerade übergeben. Ich war beim Arzt und man hat bei mir eine „wir schaffen das“ Allergie festgestellt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Das mach ich mit links und ohne Salär.

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