Angespannte Beziehungen
Raketenschild: Der Ton wird schärfer

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und den USA stehen vor einer neuen Belastungsprobe. Während sich die Amerikaner mit Polen über die Stationierung von Marschflugkörpern einigen konnten, spricht ein hochrangiger russischer Militär gar von einem möglichen Atomschlag gegen den Nachbarn. Die polnische Regierung bewegt sich nun erneut auf Russland zu.

HB MOSKAU. Die Einigung zwischen den USA und Polen auf den Bau eines Raketenschilds in Mitteleuropa hat den Zorn Russlands hervorgerufen. Das Raketensystem habe "die Russische Föderation als Ziel", sagte der russischen Präsident Dmitri Medwedjew am Freitag nach Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Sotschi am Schwarzen Meer.

Merkel erklärte, Deutschland werde sich auch weiter dafür einsetzen, dass Russland von dem Raketenschild überzeugt und bis zu einem gewissen Punkt einbezogen werde. Die USA und Polen hatten sich am Donnerstagabend nach langen Verhandlungen geeinigt. Außenminister Sergej Lawrow sagte einen für September geplanten Besuch in Warschau ab.

Die Darstellung der USA, nach denen der Raketenschild zur Verteidigung gegen sogenannte Schurkenstaaten dienen solle, sei ein "Ammenmärchen", fügte Medwedjew hinzu. Ein ranghoher russischer General sprach am Freitag von einer "weiteren Verschlechterung" des bereits durch den Georgien-Konflikt gestörten Verhältnisses zu den USA.

Es sei bedauerlich, dass die USA angesichts der komplizierten Lage in Georgien ihre Beziehungen zu Russland weiter verschlechterten, sagte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn in Moskau. Später schlug der russische Spitzengeneral sogar noch deutlich schärfere Töne an: Die Militärdoktrin Russlands erlaube unter bestimmten Umständen auch einen Nuklearangriff, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax Nogowizyn. So sei der Einsatz von Nuklearwaffen gegen Atommächte oder deren Verbündete vorgesehen, wenn erstere letztere in irgendeiner Form ausstatteten. Die USA wollten den Raketenabwehrschild für ihre eigene Regierung und nicht für Polen, erklärte er weiter. Mit der Stationierung von Teilen des Systems mache sich Polen zum möglichen Ziel eines Militärschlags.

Lawrow sagte einen für September geplanten Besuch in Warschau ab, wie sein polnischer Kollege Radoslaw Sikorski kurz nach der Einigung mit den USA bekannt gab. Die Absage sei von russischer Seite jedoch bereits zuvor mitgeteilt worden, sagte Sikorski.

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