Angespannte politische Lage
Taliban attackieren Flughafen in Kabul

Kaum hatte die Neuauszählung zur Wahl des afghanischen Präsidenten begonnen, kam die Attacke: Die Taliban haben erneut den Flughafen Kabul angegriffen. Sie wollen möglicherweise die internationale Aufsicht behindern.
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KabulTaliban haben am frühen Donnerstagmorgen den internationalen Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen. Vier Kämpfer feuerten mit automatischen Waffen und Panzerfäusten, wie das Innenministerium mitteilte. Der Anschlag endete nach einem mehrstündigen Feuergefecht mit dem Tod der Extremisten, die erschossen wurden oder sich selbst in die Luft sprengten. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff.

Das Innenministerium teilte mit, die Kämpfer seien gegen 04.30 Uhr in ein im Bau befindliches Gebäude am Rand des Flughafens eingedrungen und hätten das Feuer eröffnet. Wie ein AFP-Fotograf berichtete, waren auf dem streng gesicherten Flughafen, auf dem sich auch der wichtigste Nato-Stützpunkt in der Hauptstadt befindet, Explosionen und Schüsse zu hören. Nach Angaben eines Behördenvertreters wurde der zivile Luftverkehr unterbrochen. Über dem Gelände kreisten Militärhubschrauber.

Bei dem mehrstündigen Feuergefecht wurde laut Polizei ein Soldat verletzt. Alle vier Angreifer wurden nach Angaben des Vize-Innenministers Mohammed Ajub Salangi getötet oder sprengten sich selbst in die Luft. Die Taliban-Kämpfer hätten den Flughafen mit leichten und schweren Waffen angegriffen, teilte der Sprecher Sabiuhallah Mudschahid mit. Erst am 3. Juli hatten Aufständische den Flughafen mit Raketen angegriffen und mehrere Helikopter zerstört oder beschädigt.

Der Angriff erfolgte kurz nach Einleitung der Neuauszählung sämtlicher Stimmen der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl von Mitte Juni. Dazu sollen alle 8,1 Millionen Stimmzettel nach Kabul gebracht werden, um dort unter internationaler Aufsicht neu ausgezählt zu werden. Darauf hatten sich die beiden Kandidaten Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani auf Vermittlung der USA geeinigt, nachdem es zu heftigem Streit über Wahlfälschungen gekommen war.

Laut der Wahlkommission gewann der frühere Finanzminister Ghani die Wahl, doch warf Abdullah ihm Manipulationen vor und beanspruchte den Sieg für sich. Der frühere Außenminister war aus der ersten Runde mit deutlichem Vorsprung als Sieger hervorgegangen. Er war bereits bei der Wahl 2009 angetreten, hatte sich damals aber nach Vorwürfen der Fälschung aus der Stichwahl gegen Hamid Karsai zurückgezogen. Dieser durfte nach zwei Amtszeiten diesmal nicht erneut kandidieren.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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