Angespannte Sicherheitslage hält Investoren ab
Ölproduktion kommt nicht in Gang

Selbst David Horgan, Geschäftsführer des irischen Ölunternehmens Petrel Resources, traut sich zurzeit nicht in den Irak. „Zu gefährlich“, meint der Ölmanager, der das Zweistromland nach Ende der offiziellen Kampfhandlungen mehrfach bereist hat. Petrel will den Block 6 entwickeln, ein Gebiet in der westlichen irakischen Wüste, in der Ölexperten noch weitere riesige Vorkommen an Öl und Gas vermuten.

tom DÜSSELDORF. Bereits vor dem Krieg hat Petrel dazu Gespräche mit Bagdad geführt und später geologische Untersuchungen begonnen. „Wir haben es da einfacher als die großen Ölmultis“, sagt Horgan. Deren Aktivitäten seien aus politischen Gründen auf Eis gelegt.

Dabei ist das Interesse nach wie vor groß, denn der Irak verfügt mit rund 115 Mrd. Barrel (1 Barrel = 159 Liter) nach Saudi-Arabien über die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Und es dürfte noch mehr gutes, zu günstigen Konditionen förderbares Öl im irakischen Sand schlummern: Dem Beratungsunternehmen Wood Mackenzie zufolge ist seit Mitte der 70er-Jahre nicht mehr in großem Stil nach Vorkommen gesucht worden – der Irak gilt im Jargon der Ölbranche als „unentwickelt“.

Viele Firmen warten nur darauf, dass die Sicherheitslage ihnen erlaubt, das abgezogene Personal wieder loszuschicken: darunter die malaysische Petronas, Pertamina aus Indonesien, die indische ONGC. Aber natürlich auch Total und Lukoil, die bereits in fortgeschrittenen Vertragsverhandlungen mit dem Ölministerium vor Ausbruch des Krieges standen. Lukoil hat sich bereits mit der australischen BHP und der US-Firma Fluor zusammengetan, um gemeinsam das gigantische Feld West Qurna zu entwickeln.

Doch im Augenblick konzentrieren sich die verantwortlichen Beamten in Bagdad, von denen – laut Ölmanager Horgan – die Mehrzahl schon unter dem Saddam-Regime gearbeitet hat, vor allem darauf, die Produktion aufrechtzuerhalten: Saboteure stören immer wieder den Öltransport. Wegen der Anschläge auf Pipelines sind dem Irak nach Schätzungen von Übergangspremier Ijad Allawi bislang rund eine Mrd. Dollar an Einnahmen entgangen. Vor den jüngsten Sabotageakten förderte der Irak wieder rund zwei Mill. Barrel pro Tag. Das aber war immer noch weniger als vor dem US-Angriff im vergangenen Jahr.

Petrel-Chef Horgan ist aber optimistisch: Die Berufung von Thamir Ghadban als neuen Ölminister durch den Uno-Beauftragten Brahimi sei gut, da dieser im Ministerium einen besseren Ruf genieße als sein Vorgänger, der von den Amerikanern ernannte Ibrahim Bahr el Uloum. Ghadban habe nun die Losung ausgegeben, das Ölministerium solle wieder zu einer „professionellen Geschäftspraxis“ zurückkehren. Ein Hinweis darauf, dass der Neue die alten Gesprächsfäden mit den Unternehmen aus der Zeit vor dem Krieg wieder aufnehmen möchte.

Ohne die Konzerne wird es nicht gehen, denn Experten schätzen den Investitionsbedarf im Irak auf bis zu 20 Mrd. Dollar. Ölmanager Horgan ist sich in einem sicher: Sollten ausländische Firmen Förderrechte erhalten, werden die US-Multis nur als Subunternehmer auftreten können. Die Geschäftspraxis der Ölservice-Firmen wie Haliburton – viel Geld verdienen und dann abziehen – hat im Ministerium einen schlechten Eindruck hinterlassen. „Die sind dem Prinzip verbrannte Erde gefolgt“, meint Horgan.

Quelle: Handelsblatt

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