Angreifer verbrennen US-Flagge
Zwölf Tote bei Gefecht um US-Konsulat

Mitglieder einer saudiarabischen Spezialeinheit haben das von Kämpfern der Al Kaida überfallene amerikanische Konsulat in Dschidda gestürmt. Bei dieser Aktion sind zwölf Personen getötet worden.

HB DSCHIDDA. Bei den Feuergefechten mit Sicherheitskräften wurden zwölf Menschen getötet, darunter nach offiziellen Angaben keine Amerikaner. Die Angreifer wurden bei den Kämpfen erschossen oder festgenommen.

Einige der acht verletzten Mitarbeiter des Konsulats im Zentrum der Stadt berichteten, die Moslem-Extremisten hätten versucht, sie als menschliche Schutzschilde zu benutzen. „Sie haben uns eine oder eineinhalb Stunden als Geiseln gehalten“, sagte Muaffa Dschilan Ibrahim, der bei dem Überfall von mehreren Kugeln gestreift wurde. „Sie haben den Sicherheitskräften zugerufen: „Wir haben Geiseln. Wenn ihr näher kommt, werden wir schießen'.“ Es seien etwa zwölf Geiseln gewesen, die in zwei Gruppen aufgeteilt waren, fügte der aus dem Jemen stammende Mann hinzu. Die USA hatten zuvor Meldungen über eine Geiselnahme in dem Konsulat dementiert.

Nach Angaben der US-Botschaft wurden fünf Angestellte des Konsulats getötet, darunter keine Amerikaner. Saudiarabische Sicherheitskräfte berichteten von vier Toten aus ihren Reihen. Bei dem Feuergefecht starben dem Innenministerium zufolge auch drei der Al-Kaida-Kämpfer, zwei weitere wurden festgenommen. Mit dem Angriff in der Küstenstadt am Roten Meer hat sich die radikal-islamische Al Kaida nach einem halben Jahr relativer Ruhe in dem arabischen Königreich zurückgemeldet. Der in Saudi-Arabien geborene Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bekämpft sein Heimatland wegen dessen Kooperation mit dem Westen und hat es seit anderthalb Jahren mit einer Welle der Gewalt überzogen.

Nach Einschätzung von US-Präsident George W. Bush war es offenkundiges Ziel des Überfalls, die für Ende Januar geplanten Wahlen im Irak zu torpedieren. „Sie wollen, dass wir Saudi-Arabien verlassen. Sie wollen, dass wir den Irak verlassen. Sie wollen uns einschüchtern“, sagte Bush nach einem Treffen mit dem irakischen Übergangspräsidenten Ghasi al-Jauar in Washington.

Angreifer verbrennen US-Flagge

Augenzeugen berichteten, die Extremisten hätten nach dem Sturm des Gebäudes das Sternenbanner eingeholt und die US-Flagge anschließend verbrannt. Danach sei es zu einem Schusswechsel mit Wachleuten gekommen und ein Feuer ausgebrochen. Über dem Gebäude stiegen nach dem Angriff zwei große Rauchwolken auf. Hunderte Sicherheitskräfte riegelten das Konsulat weiträumig ab. Polizisten gingen hinter ihren Einsatzfahrzeugen in Deckung. Über dem Tatort kreisten Hubschrauber. Nach dem Angriff wurden vorsorglich auch die US-Botschaft in der Hauptstadt Riad sowie die amerikanische Vertretung in Dhahran vorläufig geschlossen.

Eine Sprecherin des US-Konsulats sagte, unter den fünf toten Mitarbeitern der Vertretung sei auch ein Wachmann. Die Nationalität der Toten nannte sie nicht. In Sicherheitskreisen hieß es, sie stammten aus dem arabischen Raum und Asien. Die US-Sprecherin sagte: „Keinem der Angreifer ist die Flucht gelungen“, fügte sie hinzu.

Al Kaida hat Saudi-Arabien seit Mai 2003 mit einer Welle der Gewalt in Angst und Schrecken versetzt. Dabei sind rund 170 Menschen, darunter viele Ausländer, getötet worden. Zum bislang letzten großen Al-Kaida-Anschlag in Saudi-Arabien war es im Mai gekommen, als Extremisten das Ölzentrum Chobar angriffen. Dabei waren 22 Ausländer und sieben Sicherheitskräfte getötet worden.

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