Angriff auf Grenzübergang
IS greift Kobane aus der Türkei an

Heftige Explosionen nahe Kobane: Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) hat das kurdische Kobane von der türkischen Seite der Grenze aus angegriffen. Die Türkei tut bisher nichts, um die Angriffe zu stoppen.
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BeirutDie Terrormiliz Islamischer Staat hat nach kurdischen Angaben die syrische Grenzstadt Kobane erstmals von türkischem Gebiet aus angegriffen. Normalerweise würden die kurdischen Verteidiger der Stadt von drei Seiten angegriffen, sagte ein Sprecher der kurdischen Partei Demokratische Union, Nawaf Chalil, am Samstag. „Heute greifen sie von vier Seiten an.“ Die türkische Regierung dementierte, dass IS-Kämpfer von türkischem Boden aus Kobane angegriffen hätten.

In einem von der Regierungspressestelle in der türkischen Regierung in der Grenzstadt Suruc herausgegebenen Erklärung wurde eine Selbstmordanschlag auf der syrische Seite der Grenze bestätigt. Das mit Sprengstoff beladene Fahrzeug sei aber nicht über die Türkei nach Kobane gelangt. „Behauptungen, das Fahrzeug habe das Grenztor von türkischem Boden erreicht, sind eine Lüge“, hieß es. Die Sicherheitskräfte seien alarmiert und „alle notwendigen Maßnahmen wurden ergriffen“.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, bei den jüngsten Kämpfen seien acht kurdische Kämpfer und 17 IS-Dschihadisten getötet worden. Ein Aktivist in Kobane, Mustafa Bali, sagte, IS-Kämpfer hätten Stellungen in Getreidesilos auf der türkischen Seite der Grenze bezogen und griffen von dort den Grenzübergang nach Kobane an. „Es ist nun klar, dass die Türkei offen mit Daesch kooperiert“ sagte er, die arabische Abkürzung für den IS benutzend. Im Osten der Stadt habe es einen Luftangriff der US-geführten Koalition gegeben.

IS-Kämpfer haben außerdem einen von Kurden kontrollierten Grenzposten in der Nähe der umkämpften nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze angegriffen. Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte, wurde der Grenzposten im Morgengrauen von zwei Selbstmordattentätern angegriffen. Daraufhin sei es dort „zum ersten Mal“ zu Gefechten mit Kämpfern der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) gekommen.

Die Kämpfe um die Grenzstadt Kobane dauern schon seit Wochen an. Die kurdischen Einheiten in Syrien erhielten dabei zuletzt Unterstützung von kurdischen Kämpfern aus dem Norden Iraks. Zudem werden die IS-Stellungen in der Gegend immer wieder von Kampfflugzeugen einer internationalen Koalition

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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