Angriff auf libanesisches Dorf Kana
Israel stellt Luftangriffe für 48 Stunden ein

Israelische Bomben töteten am Sonntag 56 Menschen im Dorf Kana im Südlibanon, darunter 37 Kinder. Es war die schlimmste Attacke in dem seit drei Wochen andauernden Krieg. Im UN-Sicherheitsrat verhinderten die USA eine bindende Resolution. Kurz zuvor hatte Israel zugesagt, die Luftangriffe auf den Libanon auszusetzen.

HB NEW YORK. Der Sicherheitsrat zeigte sich „extrem schockiert und erschüttert“ über den israelischen Angriff. In der einstimmig verabschiedeten Erklärung der 15 Mitglieder des höchsten UN-Gremiums hieß es am Sonntag, der Verlust unschuldiger Leben in Kana werde in äußerster Form missbilligt. UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde aufgefordert, innerhalb einer Woche einen Bericht zu den Umständen des Angriffs vorzulegen. Die Erklärung betonte die Entschlossenheit des Sicherheitsrats, ohne Verzögerung eine Resolution zur dauerhaften Lösung der Krise zu verabschieden. Es müsse ein „anhaltender und nachhaltiger Waffenstillstand“ erreicht werden, hieß es. Eine Formulierung in dem Entwurf, die eine „Einstellung der derzeitigen Gewalt“ forderte, wurde auf Druck der USA gestrichen.

Kurz vor Verabschiedung der Erklärung hatte Israel zugestimmt, die Luftangriffe auf den Süden Libanons für 48 Stunden auszusetzen, damit der Zwischenfall in Kana untersucht werden könne. Ein Militärsprecher teilte am Montagmorgen mit, die Feuerpause habe um 1 Uhr MESZ begonnen. Noch eine halbe Stunde davor bombardierten israelische Kampfjets mutmaßliche Guerilla-Stellungen im östlichen Libanon nahe der syrischen Grenze, wie aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete.

Der Sicherheitsrat wird in seiner Reaktion auf den seit fast drei Wochen andauernden Libanon-Konflikt von der Veto-Macht USA blockiert. Sie sieht die Wurzel der Gewalt in der schiitischen Hisbollah-Organisation und deren Angriffe auf Israel vom Südlibanon aus. „Wichtiger als schnelle Schlüsse über einen Waffenstillstand zu ziehen, ... war es uns heute, den tragischen Verlust ziviler Leben anzusprechen“, sagte der UN-Botschafter der USA, John Bolton, zu der Erklärung des Sicherheitsrates. Die US-Regierung hat einer sofortigen Waffenruhe bislang eine Absage erteilt, da sie ihrer Meinung nach lediglich eine Rückkehr zum Zustand unmittelbar vor dem Krieg bedeuten würde. Israel hatte seine Offensive im Libanon eingeleitet, nachdem die libanesische Hisbollah-Miliz zwei israelische Soldaten verschleppt hatte.

Merkel telefoniert mit Blair

Eine UN-Resolution, die noch in dieser Woche verabschiedet werden könnte, soll den Weg ebnen für eine möglicherweise 20 000 Mann starke internationale Friedenstruppe, die entlang der libanesischen Grenzen zu Israel stationiert werden könnte. Ein Resolutionsentwurf nennt weitere Bedingungen für einen dauerhaften Waffenstillstand wie die Freilassung der Soldaten und die Entwaffnung der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz.

Mit Blick auf die erneute Eskalation des Nahost-Konflikts hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend mit dem britischen Premierminister Tony Blair telefoniert. Beide Regierungschefs hätten ihr „großes Bedauern und ihre tiefe Trauer über die Folgen des israelischen Luftangriffs auf Kana“ ausgedrückt, teilte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin mit. Beide Regierungschefs machten laut Wilhelm deutlich, dass die Anwendung militärischer Mittel verhältnismäßig sein muss und dass Opfer unter der Zivilbevölkerung vermieden werden müssen.

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