Angriff auf UN-Mitarbeiter
Washington blockiert Verurteilung Israels

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates haben eine Erklärung zum israelischen Angriff auf UN-Mitarbeiter im Südlibanon verabschiedet. Das höchste Gremium der Vereinten Nationen zeigt sich darin "zutiefst schockiert und beunruhigt". Eine Verurteilung Israels gab es wegen des Widerstands der USA aber nicht. China droht mit Konsequenzen.



HB TEL AVIV/NEW YORK/BERLIN. Der Sicherheitsrat ermahnte "Israel und alle anderen beteiligten Seiten" zur Einhaltung des Völkerrechts und zum Schutz des UN-Personals. Die israelische Regierung wurde aufgefordert, den Vorfall umfassend zu untersuchen.

Die vier Beobachter, ein Österreicher, ein Finne, ein Kanadier und ein Chinese, wurden am Dienstag durch israelische Bomben getötet, obwohl Israel den UN zufolge vor dem Abwurf gewarnt wurde. In der Erklärung drückt die internationale Gemeinschaft Schock und Entsetzen aus. Die Wortwahl ist wegen des Widerstands der USA dezenter als ursprünglich von China und anderen Ländern vorgeschlagen.

In einem früheren Entwurf der Erklärung hatte es geheißen, der Sicherheitsrat "verurteilt jeden vorsätzlichen Angriff auf UN-Mitarbeiter und betont, dass solche Angriffe nicht hinnehmbar sind". In der gestern Abend einstimmig verabschiedeten Erklärung taucht diese Passage nicht mehr auf.

Den Vorwurf, Israel habe den Posten vorsätzlich angegriffen, hatte zuerst UN-Generalsekretär Kofi Annan erhoben. Israel wies die Anschuldigungen zurück. Die USA stellten sich hinter die israelische Darstellung, wonach der UN-Posten nicht vorsätzlich angegriffen worden sei. Deshalb wollten sie sowohl eine Verurteilung Israels als auch jeden Hinweise auf einen womöglich absichtlichen Angriff in der Erklärung des Sicherheitsrats vermeiden.

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Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman bezeichnete die Erklärung als „sehr ausgewogen und fair“, übte jedoch scharfe Kritik an UN-Generalsekretär Kofi Annan. Dessen Äußerung, dass der Beschuss des UN-Postens „offenbar absichtlich“ erfolgt sei, bezeichnete Gillerman als „unwürdig, überstürzt und unverantwortlich“. Er versicherte: „Israel würde nie und nimmer UN-Personal ins Visier nehmen.“ Der Vorfall sei ein „tragischer Unfall“. Krieg sei immer ein schmutziges Geschäft, und im Krieg ereigneten sich nun mal schlimme Dinge.

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