Angriff nahe Lyon
Französische Sicherheitsbehörden hatten Täter auf dem Schirm

Bei einem Anschlag in einer Gasfabrik nahe Lyon sind ein Mensch getötet und mehrere Personen verletzt worden. Der mutmaßliche Täter wurde gefasst. Den Behörden zufolge hatte er Kontakte zur radikalislamischen Szene.
  • 31

Saint-Quentin FallavierFrankreichs Präsident François Hollande hat den Angriff auf eine Fabrik nahe Lyon im südöstlichen Zentralfrankreich als „Terroranschlag“ bezeichnet. Er sagte am Freitag in Brüssel, ein Angreifer sei festgenommen und identifiziert worden. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, er sei definitiv der einzige Täter vor Ort gewesen, doch verhaftet worden seien auch seine Frau und Schwester sowie „ein weiteres Individuum“.

Der mutmaßliche Täter war den französischen Sicherheitsdiensten zwischen 2006 und 2008 und später zwischen 2011 bis 2013 bereits aufgefallen. Laut Staatsanwalt hat er einen Aktenvermerk wegen „radikalem Islamismus in Verbindung mit der salafistischen Szene von Lyon“.

Der 35-jährige mutmaßliche Attentäter soll am Freitag der Polizei zufolge zunächst seinen Chef, einen Transportunternehmer aus Saint-Quentin Fallavier, ermordet haben. Mit dem Fahrzeug des Opfers gelangte er dann auf das Gelände der Firma Air Products in dem kleinen Vorort von Lyons und sprengte dort mehrere Gasflaschen in die Luft.

Die Polizei zeigte sich vor allem vom Ziel des Angriffs überrascht. Sie hatte zwar auf Anschläge vorbereitet, aber eher auf ein „politisches“ Ziel in einer Großstadt – Medienbüros, eine Kirche oder Synagoge. Das Gaswerk befindet sich auf einem großen Industriegebiet. Nach Informationen der Zeitung „Dauphiné Libéré“ erschütterte am Morgen eine schwere Explosion das Werk, Feuerwehr und Polizei rückte daraufhin an.

Der enthauptete Körper des ermordeten Transportunternehmers wurde in der Nähe des Industriegeländes gefunden, sein Kopf, mit arabischen Aufschriften bemalt, war am Zaun der Anlage befestigt worden. Der Attentäter soll eine Fahne mit islamistischen Symbolen bei sich gehabt haben, nach Angaben einer Polizeisprecherin hatte er sich ein Tuch um den Kopf gewickelt.

Regierungschef Manuel Valls ordnete verstärkte Überwachung aller potenziell gefährdeten Objekte in der Region an. In Frankreich waren im Januar bei einer islamistischen Anschlagsserie auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und auf einen jüdischen Supermarkt insgesamt 17 Menschen getötet worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Hollande ihre Anteilnahme und Solidarität nach dem Terroranschlag aus. „In diesen Stunden sind unsere Gedanken bei den Angehörigen der Opfer, und wir hoffen, dass die Verletzten möglichst schnell genesen können“, sagte Merkel nach Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel. Das Attentat mache die große Herausforderung klar, die der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus darstelle.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich nach dem Anschlag in Frankreich besorgt. „Das ist etwas, was uns besonders bewegt“, sagte de Maizière am Freitag nach der Konferenz der Innenminister von Bund und Ländern in Mainz. Gerade in Fragen der Sicherheit hingen Deutschland und Frankreich eng zusammen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Angriff nahe Lyon: Französische Sicherheitsbehörden hatten Täter auf dem Schirm"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Deutschland braucht ganz dringend eine Revolution
    Und auch andere europ. Staaten
    Mit tun die Franzosen leid, die davon betofen sind
    Voktor Orban in Ungarn macht es richtig.
    Nachdem unsre Politik schläft und im Deutschhass immer weiter macht, werden sich auch bei uns -sowe jetzt in Österreich und Dänemark- stramme rechte Parteien bilden

  • Willi Kammschott,
    so lange wird das nicht mehr dauern.
    Es sind imer mehr und werden immer mehr Meschen bei uns, die das nicht mehr wollen.
    Und ich hoffe, Merkel kommt noch dahin, wohin sie gehört, ins Gefängnis.

  • Hans Meyer
    haben Sie noch nicht b egriffen, dss es Lichterketten und so was nur für Moslems gibt?
    Doch nicht für die Einheimischen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%