Angriffe auf Diplomaten in Kuba
Die Suche nach der Waffe

  • 0

Deutliche Erholung – als sie Kuba verlassen hatten

Die Angelegenheit weitet sich aus. Erst am Dienstag teilte das US-Außenministerium zwei weitere bestätigte Fälle mit. Damit erhöhte sich die Zahl der amerikanischen Opfer auf 21. Einige haben Gehirnerschütterungen erlitten, andere leiden unter dauerhaftem Hörverlust.

Gegen einen gezielten Angriff auf Amerikaner spricht eine weitere Tatsache: Dann neben den Amerikanern wurden auch etwa zehn Haushalte von kanadischen Diplomaten getroffen. Und Kanada pflegte anders als die USA in den vergangenen Jahrzehnten gute Beziehungen zu Kuba.

Die Experten sind verblüfft. Gezielte, lokale Klangwellen sind zwar möglich, doch nach den Regeln der Akustik benötigt man dafür einen großen Apparat, der sich nicht einfach verbergen lässt. Ob die Effekte durch den Bau des Geräts räumlich begrenzt wurden oder ob dafür ein technischer Faktor ausschlaggebend war, ist ebenfalls unklar. Zudem würde ein einziges Gerät zur Klangerzeugung nicht diese merkwürdige und inkonsistente Bandbreite von körperlichen Reaktionen erklären.

Andere Symptome waren Hirnschwellungen, Schwindel, Übelkeit, schwere Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen und Tinnitus, also dauerhafte Ohrgeräusche. Viele Opfer zeigten eine deutliche Erholung, nachdem sie Kuba verlassen hatten, bei manchen waren die Symptome ohnehin nur gering oder vorübergehend.

Nachdem sich die USA bereits vor einiger Zeit bei der kubanischen Regierung beschwert hatten und Kanada die Fälle entdeckt hatte, reisten FBI-Agenten und Vertreter der Royal Canadian Mounted Police zu Untersuchungen nach Havanna. Die Räume, wo sich die Angriffe zugetragen haben sollen, wurden durchsucht. Gefunden wurde nichts.

Im Mai wies Washington zwei kubanische Diplomaten aus - aus Protest dagegen, dass es die Regierung in Havanna nicht geschafft hatte, Amerikaner in Kuba zu beschützen. Direkt verantwortlich für die Angriffe gemacht wurde Havanna aber nicht - ein Zeichen dafür, dass die Ermittler nicht davon ausgehen, dass die kubanische Regierung zwangsläufig hinter den Angriffen steckt.

Aktuell will sich die kubanische Regierung nicht zu den Vorfällen äußern. Man verweist auf eine Erklärung des Außenministeriums, die jede Verwicklung verneint, volle Kooperation verspricht und betont, dass man die Situation mit höchster Wichtigkeit behandele. Wörtlich heißt es darin: „Kuba hat niemals erlaubt und wird niemals erlauben, dass das kubanische Territorium für irgendwelche Aktionen gegen diplomatische Vertreter oder ihre Familien genutzt wird - ohne Ausnahmen.“

Seite 1:

Die Suche nach der Waffe

Seite 2:

Deutliche Erholung – als sie Kuba verlassen hatten

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Angriffe auf Diplomaten in Kuba: Die Suche nach der Waffe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%