Angriffe auf Schiiten
Anschlagsserie erschüttert den Irak

Eine blutige Welle der Gewalt hat kurz nach Beginn des Fastenmonats Ramadan den Irak erschüttert. Bei einer Anschlagsserie wurden mindestens 107 Menschen getötet. Al-Kaida will offenbar einen religiösen Krieg auslösen.
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BagdadBei erneuten schweren Angriffen auf Schiiten-Viertel im Irak sind am Montag mindestens 107 Menschen ums Leben gekommen. Polizisten und Ärzte sprachen zudem von 216 Verletzten durch mehrere Bombenanschläge und Schießereien in verschiedenen Landesteilen. Damit setzte sich die Welle von Angriffen fort, die nach einer Zeit der relativen Ruhe am Wochenende mit dem Anfang des Fastenmonats Ramadan begonnen hatte. Aus Sicherheitskreisen verlautete, die sunnitische Al-Kaida versuche einen Bürgerkrieg zwischen den Bevölkerungsgruppen zu provozieren. Demnach wurden insgesamt 27 Anschläge in 18 Städten verübt. Es war der blutigste Tag im Irak seit mehr als zwei Jahren.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschlagsserie. Ziel der "durch nichts zu rechtfertigenden Bluttaten ist es, die Stabilisierung und wirtschaftliche Entwicklung" im Irak zu untergraben, erklärte Westerwelle in Berlin. Es dürfe nicht gelingen, die in den vergangenen Monaten erzielten Erfolge bei der Stabilisierung der Sicherheitslage zunichte zu machen.

In Bagdad wurden bei mehreren Bombenanschlägen mindestens 14 Menschen getötet und 77 weitere verletzt. Sprengkörper explodierten in der Schiiten-Vorstadt Sadr City und in den Vororten Husseinija und Tadschi. In der nördlichen Metropole Mossul starben bei Anschlägen und Schießereien mindestens acht Menschen, unter ihnen sechs Sicherheitsbeamte.

Allein in Tadschi 20 Kilometer nördlich Bagdad detonierten am Montag sechs Sprengsätze in der Nähe eines Wohnkomplexes. Eine siebte Explosion traf die Polizisten, die an den Ort des Angriffs eilten. Weitere Detonationen wurden aus Schiiten-Vierteln der Hauptstadt Bagdad gemeldet. In der nordirakischen Erdölstadt Kirkuk explodierten acht Autobomben. Sie töteten mindestens acht Menschen und verletzten weitere 35. Bei Anschlägen am Sonntag waren im Irak insgesamt zwölf Menschen getötet worden. In der Unruheprovinz Dijala griffen Unbekannte mehrere Sicherheitsposten an. Die Aufständischen beschossen das Militärlager mit Granaten und drangen anschließend darin ein, bestätigten Sicherheitsquellen in der Provinzhauptstadt Tikrit. Am Sonntag war auch die den Schiiten heilige Stadt Nadschaf Ziel eines Anschlags.

Zu den Angriffen bekannte sich zunächst niemand. In irakischen Sicherheitskreisen wurde Al-Kaida verantwortlich gemacht. Die Angriffe zeigten, dass die Gruppe einen Glaubenskrieg auslösen wolle. "Al-Kaida versucht, den Irak an den Rand eines Krieges zwischen Schiiten und Sunniten zu treiben", hieß es. "Sie wollen, dass die Lage so schlimm wird wie in Syrien." Die meisten Iraker sind Schiiten. Die große Wüstenprovinz Anbar wird allerdings mehrheitlich von Sunniten bewohnt und grenzt an Syrien. Dort tobt seit etwa 16 Monaten ein von Sunniten angeführter Aufstand gegen die von Alawiten beherrschte Regierung von Präsident Baschar al-Assad.

Der Ramadan hatte im Irak am Samstag begonnen. Die zwei Wochen zuvor waren vergleichsweise friedlich verlaufen, während im Juni 237 Menschen bei Anschlägen starben. Damit hat die Gewalt im Irak im Vergleich zum Höhepunkt der Kämpfe zwischen den verschiedenen Volksgruppen 2006 bis 2007 zwar abgenommen. Seit dem Abzug der US-Kampftruppen im Dezember blieben die Spannung jedoch hoch. Dazu kommt der anhaltende politische Streit zwischen den schiitischen, sunnitischen und kurdischen Gruppen im Land.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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