Angriffe der Huthi-Rebellen
Waffenruhe im Jemen droht zu scheitern

Der Waffenstillstand im Jemen verdient seinen Namen nicht: Aus fast allen Landesteilen werden weitere Kämpfe der Huthi-Rebellen gemeldet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ruft indes zur Zurückhaltung auf.
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Aden/SanaaDie einseitig verkündete Waffenruhe im Jemen steht nur wenige Stunden nach ihrem Beginn schon vor dem Scheitern. Das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis bombardierte am Montag entgegen eigener Ankündigungen erneut Ziele in dem Land. „In Sanaa gab es auf jeden Fall Luftschläge“, sagte Tariq Riedl, Programmleiter der Hilfsorganisation Oxfam im Jemen, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bombardements um Umkreis der Stadt seien deutlich zu hören gewesen. Auch aus dem Süden des Landes wurde ein Luftangriff gemeldet. Allerdings gab es widersprüchliche Angaben zu den Angriffen in Sanaa. Aus anderen Quellen hieß es, die Flugzeuge hätten die Stadt nur überflogen, nicht aber bombardiert.

Im Jemen bekriegen sich seit Monaten schiitische Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten mit Anhängern des sunnitischen Exilpräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der Ende März nach Riad floh. Seitdem bombardieren die Saudis und ihre Partner Stellungen der Rebellen aus der Luft. Die saudische Koalition hatte um Mitternacht (Ortszeit) einseitig eine fünf Tage lange humanitäre Feuerpause gestartet und wollte bis Freitag auf ihre regelmäßigen Luftangriffe verzichten - solange auch die Huthi-Rebellen friedlich blieben.

Friedlich blieb es auch im Süden des Jemen nicht: Nach Angaben aus lokalen Quellen starben bei einem weiteren Bombardement nahe der Stadt Lahidsch zwölf Regimeanhänger. Es war zunächst aber unklar, ob es sich um einen versehentlichen Angriff der Koalition auf ihre Verbündeten handelte oder das Militärflugzeug im Auftrag der aufständischen Huthi-Rebellen angegriffen habe. Dutzende weitere Kämpfer wurden demnach verletzt.

In der ersten Tageshälfte war es am Himmel über dem Jemen noch ruhig geblieben. Demgegenüber ging die Gewalt am Boden ohne Pause weiter: Bei gegenseitigen Angriffen von Huthis und Anhängern von Exilpräsident Hadi in mehreren Regionen des Landes starben mindestens neun Menschen – wenigstens 13 wurden verletzt.

Die Bundesregierung appellierte am Montag an die Konfliktparteien, die Waffenruhe angesichts der immer miserableren humanitären Situation im Land einzuhalten. Eine Feuerpause eröffne die Chance zur Versorgung der Bevölkerung und könne gleichzeitig der Einstieg in eine politische Lösung des Konflikts sein, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Durch die Kämpfe und Luftangriffe im bitterarmen Jemen steht das Land seit Wochen vor dem Kollaps. Nahrung, Medizin und Treibstoff sind knapp. Erste Seuchen breiten sich aus. Seit März sind nach UN-Angaben mehr als 3000 Menschen wegen des Konflikts gestorben - über die Hälfte von ihnen waren Zivilisten.

Kommentatoren werteten die Waffenruhe als Versuch des Bündnisses, von dem verheerenden Ausmaß des Angriffs auf die Hafenstadt Mocha am Samstag abzulenken. Bei dem bislang tödlichsten Bombardement auch Wohngegenden getroffen, mindestens 141 Menschen starben. Unter den Opfern waren vor allem Zivilisten - unter ihnen Frauen und Kinder, wie örtliche Einsatzkräfte und Helfer mitteilten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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