Angriffe verstärkt
Israel bombardiert den Libanon

Straßen, Brücken, Kraftwerke, der Flughafen von Beirut – die israelische Armee zerstört systematisch die libanesische Infrastruktur. Dutzende Zivilisten starben bislang bei den Luftangriffen. Gleichwohl die EU und die USA zur Mäßigung aufrufen, verstärkt Israel seine Angriffe auf das Nachbarland.

HB BEIRUT/TEL AVIV/HEILIGENDAMM. Neben dem Flughafen der libanesischen Hauptstadt griff die israelische Armee in der Nacht zum Freitag die Straße zwischen Beirut und der syrischen Hauptstadt Damaskus an. Israelische Kriegsschiffe blockierten die libanesischen Häfen. Am frühen Morgen zerstörten israelische Kampfflugzeuge eine zum Flughafen führende Brücke in einem dicht besiedelten Vorort von Beirut, wie Bilder des Fernsehsenders Al-Dschasira zeigten. Nach Angaben des Korrespondenten des arabischen Senders fiel in Teilen der Hauptstadt der Strom aus, nachdem ein Kraftwerk getroffen wurde.

Bei den Angriffen auf das südliche Stadtviertel starben nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen 3 Menschen. 20 weitere seien verletzt worden. Geschäfte und andere Gebäude wurden beschädigt, dutzende Autos in den Straßen zerstört.

EU und USA verlangen Mäßigung von Israel

Nach der EU und den UN riefen auch die USA Israel zur Zurückhaltung auf. Dies sei „extrem wichtig“. Opfer unter der Zivilbevölkerung und die Zerstörung von Infrastruktureinrichtungen im Libanon müssten vermieden werden, sagte Außenministerin Condoleezza Rice. Gleichzeitig beschuldigte sie Syrien und den Iran, durch Unterstützung der radikalislamischen Hisbollah die Gewalt zu fördern.

Die Lage im Nahen Osten hatte sich schon am Donnerstag zugespitzt. Bei einer Angriffwelle der israelischen Armee im Libanon waren nach libanesischen Angaben 46 Menschen ums Leben gekommen. In Israel starben 2 Menschen, 90 wurden verletzt, als die Hisbollah als Reaktion auf das israelische Bombardement etwa 80 Raketen auf israelische Orte abfeuerte. Am Abend schlugen auch zwei Katjuscha-Raketen in der drittgrößten israelischen Stadt Haifa ein.

Beiruter Flughafen wurde getroffen

Der Beiruter Flughafen wurde bei zwei Angriffswellen von mehreren Raketen getroffen und musste geschlossen werden. Nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sollen Informationen vorgelegen haben, zwei aus Nordisrael entführte israelische Soldaten sollten über den Flughafen ausgeflogen werden. Die Hisbollah hatte die Soldaten am Mittwoch verschleppt. Israel antwortete mit der Bombardierung des Nachbarlandes.

Außenminister Steinmeier äußerte in einem ZDF-Interview Verständnis für die israelische Haltung, betonte aber, „dass bei der Verfolgung und bei der Reaktion angemessene Mittel gewahrt werden müssen. (...) Die Zerstörung von Infrastruktur gehört in der Tat nicht zu den notwendigen Reaktionsformen.“ In dem Konflikt könne Syrien eine wichtige Rolle übernehmen und zur Freilassung der entführten Soldaten beitragen. Jordaniens König Abdullah II will an diesem Freitag in Kairo mit Ägyptens Präsident Husni Mubarak die Lage erörtern. UN- Generalsekretär Kofi Annan hat ein Diplomatenteam aufgestellt, das zwischen den Konfliktparteien vermitteln soll.

Auch im Gaza-Streifen geht das Sterben weiter

Auch im Gaza-Streifen, in den Israel nach der Entführung eines Soldaten durch die radikalislamische Hamas vor zwei Wochen eingerückt war, setzte die Armee ihre Angriffe fort. In der Nacht zum Freitag starb nach Angaben von Ärzten ein Palästinenser, als ein israelischer Panzer in der Nähe der Stadt Deir al-Ballah auf sein Auto feuerte. Am Morgen zerstörten Kampfflugzeuge im Norden des Gebietes ein Haus, in dem die Büros von fünf Hamas-Abgeordneten untergebracht waren.

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