Angst vor Bedrohung
Chinas Staatsfonds nimmt Japans Firmen ins Visier

Japan verfolgt die Investmentstrategie des neu gegründeten chinesischen Staatsfonds mit wachsender Sorge. Die China Investment Corp. (CIC) will einem Medienbericht zufolge verstärkt in japanische Aktien investieren. Das löste eine neue Debatte über die Vor- und Nachteile staatlicher Engagements aus.

TOKIO. Aus Kreisen der CIC in Shanghai berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai“ gestern, die Investmentgesellschaft plane, einen Teil ihrer Mittel in Japan anzulegen. Zugleich sucht die Organisationen im Internet insgesamt 24 Investmentexperten – nicht nur für den japanischen Aktienmarkt, sondern auch für Europa und Nordamerika.

Die CIC soll die aufgehäuften Devisenreserven Chinas im Auftrag des Staates gewinnbringend anlegen, befindet sich aber auch zwei Monate nach offiziellem Arbeitsbeginn noch in der Vorbereitungsphase. Bisher verwaltet der Fonds rund 200 Mrd. Doller, die gesamten chinesischen Dollarvorräte betragen etwa 1,3 Bill. Dollar. Zwar sollen erklärtermaßen zwei Drittel davon im Inland investiert werden, doch angesichts der immer noch hohen Anlagesumme stiegen die Aktienkurse an der Tokioter Börse gestern deutlich. Besonders die Aktien von Großunternehmen legten zu – Staatsfonds investieren in der Regel in liquide Papiere von Firmen mit hoher Marktkapitalisierung.

Längst engagieren sich staatliche Investoren aus Norwegen oder Singapur in japanischen Unternehmen. Erst gestern begrüßte Sony ein Engagement der Dubai International Capital in die eigene schwächelnde Aktie – der Investor ist der Hofvermögensverwalter des Emirs von Dubai. Die Ölgesellschaft Cosmo warb kürzlich aggressiv um Investitionen des Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate und feierte dessen Erwerb eines Fünftels der Aktien als Erfolg.

Staatliche Investoren aus China sehen die Japaner jedoch anders. Der Abstand zum bevölkerungsreichsten Land der Welt ist über das Meer nur etwa so lang wie die Strecke zwischen Berlin und Frankfurt. Ein immer selbstbewussteres China nimmt Japan trotz aller Bindungen auch als mögliche Bedrohung wahr. Japan ist umgekehrt in China in schlechter Erinnerung, seit es im Zweiten Weltkrieg einen wichtigen Teil des Landes besetzte. Dazu kommt ganz aktuell das Image der Chinesen als Technik-Klauer. Als chinesische Investoren Interesse an dem Hightech-Maschinenbauer Toshiba Machine zeigten, reagierte die Presse alarmiert. Toshiba Machine errichtete Hürden gegen eine Übernahme.

Obwohl CIC nicht in sensible Branchen wie Telekommunikation und Militärtechnik investieren will, tauchen in Japan immer wieder Befürchtungen etwa vor Industriespionage auf. Japans Ministerien prüfen daher Wege, um den Einfluss fremder Staaten auszuschließen, ohne generell Investoren abzuschrecken – die sind nämlich derzeit hoch willkommen. Ein Viertel der japanischen Aktien befindet sich bereits in ausländischen Händen.

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