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Angst vor der Drachme: Die Griechen fliegen ihr Geld aus

Viele Griechen bunkern ihr Geld zuhause - unter dem Parkett oder in der Wäsche. Wer es sich leisten kann, fliegt ins Ausland und bringt sein Geld „in Sicherheit“. Die Angst der Griechen vor der Drachma scheint groß.

Drachme gegen Euro: Die Angst geht um. Quelle: dpa
Drachme gegen Euro: Die Angst geht um. Quelle: dpa

Christos Panagopoulos (Name geändert) hat Angst. Flugangst. „Als junger Mann bin ich um die halbe Welt gedüst“, erzählt der pensionierte Zahnarzt. Bis er eines Tages mit dem Flieger über dem Balkan in schwere Turbulenzen geriet. „Seit 30 Jahren habe ich kein Flugzeug mehr betreten“, sagt Panagopoulos. Aber größer als die Angst vorm Fliegen ist die Angst vor der Drachme. Deshalb hat sich Christos jetzt einen Ruck gegeben und ein Flugzeug bestiegen. Die Reise ging nach Genf. Morgens hin, abends zurück. Bei einer großen Schweizer Bank hat der Grieche ein Konto eröffnet. „Jetzt bin ich sehr erleichtert“, sagt der 68-Jährige.

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„Mein Geld ist in Sicherheit, und die Flugangst ist weg – auf dem Rückflug war ich ganz entspannt.“ Ein Gespenst geht um in Griechenland – die Drachme. „Die Drachme wäre die Hölle“, warnt Antonis Samaras, der Vorsitzende der konservativen Nea Dimokratia (ND). „Für uns ist der Euro kein Fetisch“, erklärt Alexis Tsipras, der Chef des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza). Tsipras oder Samaras, Drachme oder Euro – darum geht es aus Sicht vieler Griechen bei der Parlamentswahl am Sonntag.

Parlamentswahl Die drei Hauptakteure der griechischen Parteien

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Acht von zehn Hellenen, so besagen Meinungsumfragen, wollen am Euro festhalten. Kein Wunder: fast täglich publizieren die griechischen Zeitungen neue Schreckensszenarien, sollte die Drachme zurückkehren: die Hyperinflation würde die Kaufkraft binnen weniger Monate halbieren, Importwaren würden knapp, womöglich gäbe es bald weder Benzin noch Erdgas, die Zinsen würden auf 30, vielleicht sogar 40 Prozent schießen – wie soll man da die Wohnung abbezahlen?

Das griechische Wahlrecht

  • Extrabonus für stärkste Kraft

    Für kleine politische Gruppierungen gilt es im Mutterland der Demokratie, eine Drei-Prozent-Hürde zu überwinden. Andererseits wird die stärkste Kraft im Parlament mit einem Extrabonus belohnt: Das Wahlrecht sichert der erfolgreichsten Partei 50 zusätzliche Sitze im insgesamt 300 Mandate umfassenden Parlament zu. Den Zuschlag gibt es jedoch nur für eine Einzelpartei, nicht für eine Parteienkoalition.

  • Wann erreicht man die absolute Mehrheit?

    Ausschlaggebend für das Erreichen einer eigenen absoluten Mehrheit im Parlament ist nicht nur die Zahl der Parteien, die den Einzug ins Parlament schaffen, sondern auch die prozentuale Stärke der Gruppierungen, die draußen bleiben. Praktisch bedeutet das nach einer Beispielrechnung des griechischen Generalkonsulats in Hamburg, dass die stärkste Partei einen Stimmenanteil zwischen 36,4 und 42,69 Prozent benötigt, um eine absolute Mehrheit zu erzielen. In einem Acht-Parteien-Parlament, in dem 2,5 Prozent der abgegebenen Stimmen nicht vertreten sind, würden der stärksten Partei somit 40,4 Prozent der gültigen Stimmen für eine absolute Mehrheit reichen.

  • Nur eine Stimme pro Wähler

    Anders als bei den Bundestagswahlen in Deutschland hat der Wähler in Griechenland nur eine Stimme. Laut Innenministerium sind 9,85 Millionen Bürger wahlberechtigt. Es herrscht Wahlpflicht - jedoch nur auf dem Papier. Wahlmuffel müssen keine Konsequenzen fürchten. Ein Fernbleiben von der Urne zieht keine strafrechtlichen oder verwaltungsrechtlichen Sanktionen nach sich.

  • Meinungsumfragen

    Die Veröffentlichung von Meinungsumfragen zwei Wochen vor der Wahl ist in Griechenland verboten. Laut den jüngsten Umfragen könnten bis zu zehn Parteien im nächsten Parlament vertreten sein. Eine Einparteiregierung scheint eher unwahrscheinlich. Seit dem Fall der Militär-Junta 1974 wird das politische System von zwei großen Parteien beherrscht: der bürgerlichen Nea Dimokratia (Neue Demokratie) und der linken Pasok (Panhellenistische Sozialistische Bewegung).

  • Kleine Gruppierungen könnten klare Mehrheiten verhindern

    Griechenland-Kenner Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht wegen der speziellen Bestimmungen des Wahlgesetzes davon aus, dass die ND mit der Pasok eine stabile Mehrheit bilden kann. „Aber sicher ist das nicht“, fügt er hinzu. Wegen des Erstarkens kleinerer radikaler Gruppierungen könnte sich diesmal das Wahlsystem dennoch als nicht robust genug erweisen, um den etablierten Kräften eine klare Mehrheiten zu bescheren. „Es bleibt die Gefahr, dass Griechenland nach der Wahl unregierbar wird“, warnt Kostas Dimakopoulos vom griechisch-deutschen Kulturverein Exantas Berlin.

Aus Angst, dass nach der Wahl irgendwann nur noch Drachmen aus den Geldautomaten kommen, plündern jetzt viele Griechen ihre Konten. Offizielle Zahlen hält die griechische Zentralbank zurück, aber nach Informationen aus Bankenkreisen hoben die Griechen in dieser Woche täglich zwischen 100 und 500 Millionen Euro von ihren Konten ab. Offizielle Zahlen hält die griechische Zentralbank zurück, aber nach Informationen aus Bankenkreisen hoben die Griechen in dieser Woche täglich zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Euro von ihren Konten ab. Am Dienstag waren es 800 Millionen, am Mittwoch und Donnerstag insgesamt zwei Milliarden. Viele Firmen bringen ihre Rücklagen ins Ausland. „Wir haben möglichst wenig Liquidität im Lande, nur das Allernötigste“ sagt der CFO einer großen griechischen Unternehmensgruppe.

Mögliche Szenarien nach den Griechenland-Wahlen

  • Szenario 1

    Das Szenario der breiten Regierung der Nationalen Rettung: An dieser könnten die drei wichtigsten Parteien, die Konservativen, die Linksradikalen und die Sozialisten teilnehmen. Hinzu könne auch die gemäßigte kleine linke Partei Demokratische Linke kommen. Gemeinsamer Nenner dieser Koalition wäre, dass das Land im Euroland bleibt. Gleichzeitig soll aber auch eine Lockerung des Sparprogramms gefordert werden, weil die Sparmaßnahmen die Wirtschaft abgewürgt haben. Dies Regierung würde stabil und handlungsfähig sein, weil sie mehr als 70 Prozent der Bevölkerung vertreten und eine überragende Mehrheit im Parlament haben würde.

  • Szenario 2

    Das zweite Szenario wäre eine Kooperation zwischen den klar pro-europäischen Parteien der Konservativen der Nea Dimokratia (ND), der Sozialisten (Pasok) und der kleinen Demokratischen Linken (Dimar). Hier beginnen aber schon die ersten Probleme. Denn das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), zu dem mittlerweile die meisten etablierten und ehemals privilegierten Gewerkschaftsführer von den Sozialisten übergelaufen sind, könnten zusammen mit den Kommunisten (KKE) das Land mit Streiks und Demonstrationen ins totale Chaos stürzen.

  • Szenario 3

    Das letzte und schlimmste Szenario ist, dass die Politiker sich erneut nicht einigen. Dann müssten wieder Neuwahlen angesetzt werden. Das Land wäre dann für weitere sechs Wochen ohne handlungsfähige Regierung und könnte irgendwann einfach zusammenbrechen. Das Geld für Medikamente, Löhne und Renten reicht nur noch bis Mitte Juli.

  • Szenario 4

    Eine dritte mögliche Regierungskoalition wäre eine Kooperation der Linksradikalen mit der Demokratischen Linken, falls beide genug Sitze im Parlament erobern. Die Demokratische Linke scheint jedoch nicht bereit zu sein, an einer solchen linken Koalition teilzunehmen. Das Gleiche gilt auch für die Kommunisten. Demnach wäre eine Koalition der Linksradikalen mit den Sozialisten und der Demokratischen Linken eine Lösung, aber diese könnte daran scheitern, dass viele linke Politiker nicht mit den Sozialisten zusammenarbeiten wollen.

Aber auch Kleinsparer gehen auf Nummer Sicher. Viele horten Bargeld. Ein Indiz dafür ist, dass größere Euroscheine wie Zweihunderter und Fünfhunderter fast völlig aus dem Zahlungsverkehr verschwunden sind. Schon seit Beginn der Krise Ende 2009 sind bei den meisten Bankfilialen alle Schließfächer belegt.

  • 16.06.2012, 22:04 UhrRene

    Und wehe am Ende muß wieder der Arbeitnehmer, der bisher fleißig und sparsam war, bluten muß. Man bekommt so eine Wut, wenn man sein Leben lang arbeitet und spart und am Ende Radikallinke eines anderen Landes alles zerstören und unsere Linken das auch noch als Griechenlands Recht auf "Wahl und Demokratie" werten.

  • 16.06.2012, 21:36 UhrMazi

    @Marco99
    Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass Sie im Unterschied zu dem Griechen nicht mehr Ihre 100 für 100 Euro zurück erhalten?

    Sie sollten sich einmal mit dem geplanten Steuerabkommen mit der Schweiz, erdacht von Steinbrück/Schäuble, auseinandersetzen. Die beiden wollen Sie nämlich ganz schön rasieren. Dann lacht der Grieche nämlich noch einmal über Sie. Die von Ihnen kassierten Steuern fließen nämlich anschleßend noch zusätzlich nach Griechenland.

  • 16.06.2012, 17:50 UhrHaraldFichtner

    Die hohe Sorgfalt mit welcher hier gearbeitet wird, ist aus den beiden Sätzen
    "Offizielle Zahlen hält die griechische Zentralbank zurück, aber nach Informationen aus Bankenkreisen hoben die Griechen in dieser Woche täglich zwischen 100 und 500 Millionen Euro von ihren Konten ab. Offizielle Zahlen hält die griechische Zentralbank zurück, aber nach Informationen aus Bankenkreisen hoben die Griechen in dieser Woche täglich zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Euro von ihren Konten ab."
    ersichtlich.

    Innerhalb zweier aufeinanderfolgender Sätze hoben die Griechen einmal 500 Millionen und einmal das Doppelte davon abgehoben.

    Was soll man dann denn noch vom gesamten Artikel glauben???

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