Angst vor der roten Flut
China überschwemmt Italien mit Tomaten

Noch reifen die grünen Tomaten friedlich in der Sonne der Emilia Romagna in der Nähe des Dorfes Codogno. Doch schon bald werden sie sich auf dem freien Markt der Konkurrenz stellen müssen. Und die kommt seit neuestem nicht nur aus Apulien oder Kalabrien, sondern aus China.

HB EMILIA ROMAGNA. „Die Chinesen überschwemmen mit ihren billigen Tomaten den italienischen Markt“, beschwert sich Elisabetta Montesissa, die junge Funktionärin des örtlichen Bauernverbandes Coldiretti in Piacenza. „Bei deren Preisen können wir kaum mithalten“, sagt sie. Schließlich arbeiteten die Chinesen mit viel niedrigeren Lohnkosten, und auch die Umweltauflagen seien nicht so streng.

Aus China kommen vor allem bereits verarbeitete Produkte, wie Tomatenpüree oder gestückelte Tomaten. „Die werden dann den italienischen Tomaten beigemischt und landen so im Supermarktregal, ohne dass der Kunde davon weiß“, empört sich Montesissa. Ihr Verband fordert deshalb vor allem eine klare Kennzeichnung der Herkunft des Gemüses. „Made in Italy“ soll auf den Dosen nur dann stehen dürfen, wenn auch nur italienische Tomaten drin sind.

Nach den Kleidungs- und Schuhimporten aus Fernost sind es nun die Tomaten, die nach Ansicht der Italiener die nationale Wirtschaft bedrohen. Gemeinsam mit anderen Ländern wie Frankreich und Spanien haben die Italiener in diesem Jahr erfolgreich bei der Europäischen Union durchgesetzt, die Einfuhren von Textilien aus China zu begrenzen. Und bei Schuhen hat die EU-Kommission bereits eine Untersuchung eingeleitet.

Jetzt sind die Tomaten dran. Tatsächlich steigen die Einfuhren von Obst und Gemüse aus China rasant: Das Reich der Mitte ist mittlerweile der größte Lieferant von Agrar-Produkten für Italien; die Importe erreichten im vergangenen Jahr ein Volumen von mehr als 62 Mill. Euro.

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