Angst vor Ebola
Das Geisterschiff der guten Laune

Irrationale Ängste, grobe Fehler, Panikmache, soziale Ausgrenzung und zwei Erkrankungsfälle. Die USA steigert sich in eine Ebola-Hysterie, die sich gegen die eigenen Bürger zu wenden droht.
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San FranciscoEs ist eine traurige Lektion: vor allem konservative Hardliner wie der republikanische Gouverneur Rick Perry fordern immer lauter eine Isolation des Landes wegen möglicher Ebola-Infektionen, und nun isoliert die Welt die USA. Nach dem mittelamerikanischem Staat Belize hat am Freitag auch Mexiko einem US-Kreuzfahrtschiff mit tausenden amerikanischen Urlaubern das Festmachen in einem Hafen des Landes untersagt.

An Bord befindet sich eine möglicherweise erkrankte Person. Tragischerweise ist es eine der Krankenschwestern, die sich uneigennützig und ohne zu Zögern um den mittlerweile verstorbenen ersten Ebola-Patienten innerhalb der USA gekümmert hatte. Jetzt ist niemand da, der sie aufnehmen will.

Und das, obwohl nach Behördenangaben seit 19 Tagen keine Symptome der heimtückischen Krankheit aufgetaucht sind, sie also nach heutigem Erkenntnisstand keine Gefahr darstellt. Das ungeliebte Geisterschiff, auf dem eigentlich nur gute Laune und Party herrschen sollte, gibt auf.

Die "Carnival Magic" kehrt jetzt nach Galverston in Texas zurück, von wo aus sie gestartet war. Es ist das Land, in dem Rick Perry Gouverneur ist.
Die Hilflosigkeit schürt die Furcht. Eine Touristin in Washington löste einen Großalarm im Weißen Haus aus. Weil sie sich auf einem Parkplatz vor dem Verteidigungsministerium Pentagon übergeben musste, wurden Eingänge des Ministeriums abgesperrt, Menschen die mit ihr in Kontakt gekommen oder zur Hilfe gekommen waren wurden abgesondert. Sie selbst kam in Quarantäne. Mittlerweile sind sich die Behörden sicher, dass sie kein Ebola hat. Ihr war offenbar schlicht schlecht geworden.
Die irrationale Angst kennt dabei keine Grenzen. Schulen wurden geschlossen, weil Kindern übel wurde, der Präsident persönlich musste erklären, dass sich Ebola nicht über die Luft verbreite, so wie eine Grippe.

Immerhin 34 Prozent der Amerikaner glauben dies, so eine Studie der Kaiser Family Foundation. In Dallas werden Krankenhausmitarbeiter des Texas Health Presbyterian Hospital in Restaurants zu unerwünschten Personen erklärt. „Sie weigern sich, mit uns zu essen“, bedauert die 53-jährige Teresa Morales gegenüber der Los Angeles Times. Sie arbeite nicht einmal in der Ebola-Abteilung, aber trotzdem reiche nur das Wissen um ihren Arbeitsplatz heute aus, um sie sozial auszugrenzen.

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