Angst vor Gewalt in Paris
„Soll das Massaker gefeiert werden?“

Drohungen und Provokationen statt Kinderbelustigung und Food Trucks: In Paris entzündet sich an einem Festival mit Tel Aviv ein großer Streit. Für viele ist Israel ein rotes Tuch. Nun droht die Situation zu eskalieren.
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ParisInnerhalb von drei Tagen hat sich in Paris eine Polemik hochgeschaukelt, über die man nur achselzuckend lachen würde, wäre der Hintergrund nicht so ernst. Eine harmlose Kulturveranstaltung der Stadtverwaltung in Partnerschaft mit Tel Aviv wird von linken Aktivisten als „unsensible Provokation“ hingestellt.

Die Zusammenarbeit mit der israelischen Hafenstadt sei nichts anderes als eine Unterstützung der illegalen israelischen Siedlungspolitik und beschönige den brutalen Gaza-Krieg des vergangenen Jahres. In den sozialen Netzwerken heißt es: „Soll da das Massaker des vergangenen Sommers gefeiert werden?“

Eine andere Stimme sagt: „Ein Jahr nach dem Tod von vier Kindern am Strand von Gaza wird Tel Aviv eingeladen, sicher eine Hommage?“ Danielle Simonnet, Abgeordnete der Linkspartei, verlangt, die Veranstaltung abzusagen. Andernfalls „könnte Schlimmes passieren“, kündigt sie ominös an.

Jeden Sommer veranstaltet die sozialistische Mairie der Hauptstadt „Paris Plage“, eine Reihe von Aktivitäten am Ufer der Seine, die sich vor allem an die richten soll, die nicht verreisen. Am Donnerstag werden in diesem Rahmen ein paar Stunden lang DJs aus Tel Aviv auftreten, Food Trucks regionale Spezialitäten anbieten und Spiele für Kinder organisiert werden.

Es gibt keine politische Botschaft pro Israel, allenfalls einen Hinweis, der wirklich nichts mit Siedlungspolitik und Krieg zu tun hat: „Tel Aviv ist eine progressive Stadt, eine Stadt des Zusammenlebens“, unterstreicht die Mairie. Vorsichtshalber hat sie bereits in der Ankündigung darauf hingewiesen, dass Paris eng mit Gemeinden aus Palästina kooperiere und beispielsweise vor wenigen Wochen mit Bethlehem eine Zusammenarbeit zur Verbesserung der Wasserversorgung gestartet habe.

Alles umsonst. Für nicht wenige Leute in Paris ist Israel so sehr zum roten Tuch geworden, dass sie alles als Provokation ansehen, bei dem Israelis mitwirken. Sie wollen nicht wahrhaben, wie absurd die Kritik an einer Veranstaltung mit Teilnehmern aus Tel Aviv ist: Gerade die Hochburg des Strandlebens ist für gewalttätige israelische Rechtsextreme ein libertäres Sündenbabel.

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Alles ist willkommen, was als Provokation gewertet werden kann

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  • Land und Volk werden doch nicht durch Proteste gegen Festival mit Tel Aviv abgeschafft. Was haben wir denn mit dem hübschen multikulturellen Aushängeschild eines Apartheitsstaats zu tun, der Tag für Tag, versteckt hinter großen Mauern, seine Hassverbrechen begeht und uns damit auch aus dieser Region immer mehr Flüchtlinge zutreibt. Damit muss man nicht schon Kinder zu indoktrinieren versuchen.

  • Da freuen sich aber unsere Islamunterstützer: Merkel, Gauck und Wulff. Islam ist deutsch. Auch die Bundesmarine weigert sich das Waffenembargo durch zu setzen.

  • Frankreich zeigt im Vorlauf nur, was in Deutschland zu erwarten ist, sich schon andeutet.

    Bestimmte Sichtweisen werden sich nach und nach im Lande durchsetzen, die nie zuvor heimisch waren. Alles wird unter dem Vorbehalt gutmenschlich-ideologisierter Überprüfung solange in der Schwebe gehalten, bis sich endlich die notwendige mediale Masse für die Ablehnung findet, was zunehmend schneller gehen wird. Auch da macht Übung den Meister.

    Was in zwei Weltkriegen und der Zeit danach die Deutschen mit ein paar Österreichern und Kommunisten nicht geschafft haben - Land und Volk abzuschaffen - wird demokratischem Prozeß dann zum Opfer fallen. So macht man das heutzutage.

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