Angst vor Gewalt: Tausende demonstrieren in Haiti gegen Aristide

Angst vor Gewalt
Tausende demonstrieren in Haiti gegen Aristide

In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince haben am Sonntag wieder mehrere tausend Demonstranten den Rücktritt von Präsident Jean Bertrand Aristide gefordert.

HB PORT-AU-PRINCE. Nachdem am Donnerstag eine Großkundgebung der bürgerlichen Opposition von gewalttätigen Aristide-Anhängern im Keim erstickt worden war, verlief der Protestmarsch am Sonntag zunächst friedlich. Die Teilnehmerzahl war aber wesentlich geringer als bei der letzten großen Oppositionskundgebung am 1. Februar. Viele Menschen blieben am Sonntag aus Angst vor Gewalt zu Hause.

Die bürgerliche Opposition fordert seit Monaten den Rücktritt Aristides, dem sie Korruption und Machtmissbrauch vorwirft. Sie hatte sich in der vorigen Woche von den bewaffneten Rebellen distanziert, die am 5. Februar die Stadt Gonaives in ihre Gewalt gebracht hatten. Letztere erhielten am Samstag Zulauf von früheren Putschisten. Wie Radiosender berichteten, erreichten der frühere paramilitärische Führer Louis Jodel Chamblain und der ehemalige Polizeichef Guy Philippe an der Spitze von 20 Ex-Militärs Gonaives. Sie kamen aus der benachbarten Dominikanischen Republik. An der Grenze wurden am Samstag ein dominikanischer Soldat erschossen und ein zweiter verletzt. Ob ein Zusammenhang bestand, war nicht klar.

Chamblain war einer der Anführer der paramilitärischen Organisation FRAPH, die unter dem Militärherrscher General Raoul Cedras (1991-1994) Jagd auf Oppositionelle machte. Während der dreijährigen Diktatur, gegen die die USA militärisch intervenierten, sollen mehr als 3000 Menschen ermordet worden sein. Der ehemalige Polizeichef Philippe wiederum soll Ende 2001 einen Putschversuch gegen Präsident Jean Bertrand Aristide organisiert haben. Aristide warf ihm außerdem vor, einer der Köpfe der Drogenmafia zu sein.

US-Außenminister Colin Powell hatte am Freitag bekräftigt, dass die US-Regierung eine gewaltsame Entmachtung Aristides ablehne. Die USA, Kanada und die Gemeinschaft karibischer Staaten (CARICOM) appellierten an Aristide und dessen Gegner, auf eine friedliche Lösung der Krise hinzuarbeiten. Die Vereinten Nationen forderten die Öffnung eines „Humanitären Korridors“, um durch die von Rebellen kontrollierte Stadt Gonaives Hilfsgüter zu Hungernden in den Norden des Landes bringen zu können.

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