Angst vor Kapitalflucht
Euro-Krisenländer sträuben sich gegen Zwangsanleihen

In Deutschland fordern immer mehr Politiker eine Zwangsanleihe für die angeschlagenen Euro-Krisenstaaten. Doch in den Ländern selbst wächst der Widerstand gegen diese Maßnahme. Diskutiert werden aber andere Modelle.
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Düsseldorf, Mailand, BerlinViele deutsche Politiker - angefangen bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) - können sich eine Zwangsanleihe als Instrument zur Haushaltssanierung vorstellen: Allerdings nicht in Deutschland, sondern in den Ländern Südeuropas, die gegen immens gestiegene Zinsen kämpfen. Die reichen Privatleute Italiens, Spaniens, Portugals und Griechenlands könnten so stärker als bisher einen Beitrag zur Lösung der immensen Probleme ihrer Länder leisten. Doch der Vorschlag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stößt in Südeuropa auf ebenso wenig Gegenliebe wie die Idee einer Umsetzung in Deutschland bei deutschen Politikern. Die EU-Kommission verweist darauf, dass sie Euro-Staaten nicht vorschreibt, welche Instrumente sie zur Etatsanierung nutzen.

In Spanien und Portugal war eine Zwangsanleihe bisher nie Thema. In Italien hatten die Ökonomen Jean-Paul Fitoussi und Gabriele Galateri di Genola dies zwar im September vergangenen Jahres vorgeschlagen - allerdings ohne Resonanz. Giuseppe Ferraguto, Professor an der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi, hält Zwangsanleihen für eine schlechte Idee. "In diesen Zeiten, in denen vieles an den Märkten Psychologie ist, reicht es allein, dass man darüber diskutiert, damit die Investoren fliehen", mahnt er. Im Übrigen wäre eine Zwangsanleihe in Italien ebenso wie in Deutschland verfassungswidrig. Man könne niemanden zwingen, Anleihen zu kaufen.

Diskutiert wird statt über Zwangsanleihen von Portugal bis Griechenland dagegen über Vermögens- und Immobiliensteuern. Bei seinem Amtsantritt hatte auch Mario Monti zunächst die Einführung einer Vermögensteuer geplant - er scheiterte damit aber am Widerstand von Berlusconis Partei PDL. Er führte dann die von Berlusconi abgeschaffte Immobiliensteuer auf Eigenheime wieder ein. Zudem lässt Monti die Katasterwerte neu berechnen: Dort standen zentral gelegene Luxuswohnungen mit viel zu niedrigen Werten. Außerdem hat Monti auf Vermögen im Ausland eine Steuer von 0,1 Prozent eingeführt.

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Wie das Thema Zwangsanleihen in Griechenland diskutiert wird

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  • "Gold gab ich für Eisen" würden sich reiche griechische Reeder denken,wenn das schief gehen sollte und der Staat endgültig in die Pleite rutscht,das Geld wäre dann futsch,nein ,da schaffen sie es lieber in´s Ausland und zahlen weiterhin 0 Steuern,da "liegt der Hund begraben".

  • Ja, 25% Zwangsanleihen beim schätzungsweise 20.000.000.000 € „Geld“ Vermögen alle Reiche der EU Länder, ergeben 5.000.000.000. Diese Geld Summe kann eine ökonomische Basis/Stabilisierung alle EU Länder bewirken.
    Voraussetzung:
    a)Neu Fiskalpolitik kontrolliert von der Geldgeber (Reichen)
    und b) die Investoren (Reichen) erhalten 2% Zinsen, und erhalten alle 5 Jahren 20% ihres geliehen Kapitals zurück.

  • Muss nicht sein. Es bleibt eine Extreme Inflation

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