Angst vor Katastrophe
Aachener Region klagt gegen belgisches AKW

Eine Panne jagt die nächste, doch weder EU noch Bundesregierung sehen eine Handhabe gegen das belgische Atomkraftwerk Tihange. Jetzt nimmt eine Region selbst das Heft in die Hand – und klagt.

AachenDas belgische Atomkraftwerk Tihange ist nur 70 Kilometer von Aachen entfernt. Was sind schon 70 Kilometer im Ernstfall? Immer wieder gibt es Pannen-Meldungen aus Belgien. Mit jedem erneuten Herunterfahren des Reaktors wegen einer Panne wächst die Sorge in der Bevölkerung, dass es doch einmal zur Katastrophe kommt. „Die Menschen haben Angst. Sie fragen, kann man das Ding nicht abschalten“, beschrieb Städteregionsrat Helmut Etschenberg am Donnerstag die Stimmung.

Jetzt klagt die Region, und zwar auf breiter Ebene: Die Städteregion als Gemeindeverband mit zehn Kommunen, der Kreis Düren und drei niederländische Kommunen. Unterstützung haben vier Kreise aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zugesagt.

EU und Bundesregierung hätten signalisiert, dass sie keine Möglichkeit gegen Tihange sähen, sagte Etschenberg. „Wir als kleine Städteregion beweisen, dass es diese Möglichkeiten gibt“, fügte der Kommunalpolitiker hinzu, dessen Position mit der eines Landrats vergleichbar ist. Er wertete die zwei geplanten Klagen von den Kommunen und Kreisen an der Grenze zu Belgien als deutliches politisches Signal.

Auch in Ostbelgien gebe es viele kritische Stimmen aus der Politik, so Etschenberg. Ebenso wie in den Niederlanden: „Es gibt keinen Politiker im niederländischen Grenzgebiet, der sich keine Sorgen macht“, sagte der Bürgermeister von Kerkrade, Jos Som. Die niederländischen Kommunen Maastricht, Heerlen und Kerkrade wollen sich der Klage anschließen.

Reaktorblock 2 von Tihange war im März 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden und trotz Haarrissen in dem Reaktorbehälter im Dezember 2015 wieder ans Netz gegangen. Diesen Haarrissen gilt die größte Sorge der Menschen in der Umgebung. Nach einer Überprüfung hatte die belgische Nuklearaufsichtsbehörde AFCN mitgeteilt, dass es sich dabei um ein Problem handele, das keine Gefahr für die Sicherheit der Reaktoren darstelle.

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NRW drängt auf „Abschalt-Gespräche“

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