Angst vor neuen Unruhen
Touristen wollen nicht mehr nach Ägypten

Ägypten droht eine wichtige Einnahmequelle zu verlieren. Wegen der bürgerkriegs-ähnlichen Unruhen im gesamten Land bleiben die ausländischen Touristen aus. Nun droht also auch noch eine ökonomische Krise.
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KairoDie Schiffe von Heschmat Jussef sind verwaist. Seit Wochen hatte er keinen Touristen mehr an Bord. Normalerweise bietet er Segelausflüge auf dem Nil für Urlauber an, damit verdiente er bislang gutes Geld. Ägypten war jahrzehntelang eines der beliebtesten Reiseziele von Europäern und Amerikanern. Der Aufstand gegen den damaligen Staatschef Husni Mubarak Anfang 2011 führte dazu, dass US-Reiseveranstalter das Land am Roten Meer aus dem Programm nahmen. Die jüngsten Unruhen am Nil schrecken jetzt auch die Europäer ab.

Die Zahl der Einreisen an ägyptischen Flughäfen Anfang der Woche sei im Vergleich zur Vorwoche um 40 Prozent zurückgegangen, sagt der Chef der Flughafengesellschaft, Gad al-Karim Nasr: Nur 3000 Ankünfte seien gezählt worden, gleichzeitig hätten 13.000 Urlauber überwiegend aus Deutschland und Italien das Land verlassen. Eine Sprecherin des Reisekonzerns TUI, Anja Braun, sagt, TUI habe alle Fahrten nach Ägypten bis zum 15. September abgesagt. Kunden sei eine kostenlose Umbuchung oder eine Rückerstattung des Reisepreises angeboten worden.

Andere europäische Reiseunternehmen haben ähnlich entschieden. Der italienische Kreuzfahrtanbieter Costa Crociere hat für die bevorstehende Saison alle Reisen im Roten Meer gestrichen sowie alle Haltepunkte in Ägypten. „Ägypten ist das beliebteste Reiseziel der Italiener“, sagt der Direktor des Reiseveranstalters Veratour, Massimo Broccoli. „Selbstverständlich hat das wirtschaftliche Auswirkungen.“ Auch in Frankreich strichen Veranstalter bis auf weiteres Reisen nach Ägypten. In Moskau starten zwar weiterhin voll besetzte Maschinen Richtung Kairo oder Rotes Meer. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um Urlauber, die ihre Reise schon gebucht hatten und denen keine kostenlose Stornierung oder Umbuchung angeboten wurde.

Verhältnismäßig wenige der Urlauber, die sich derzeit in Ägypten befinden, wollen vorzeitig nach Hause gebracht werden: In den Tourismushochburgen am Roten Meer, in Hurghada oder Scharm-el-Scheich, ist es bisher ruhig geblieben. Tui habe individuelle Lösungen angeboten, sagte Braun. Insgesamt hätten aber weniger als hundert Kunden eine vorzeitige Abreise gewünscht. Reiseveranstalter aus Slowenien, Tschechien, Dänemark, Schweden und Norwegen flogen Hunderte Urlauber vorzeitig aus - oft gegen deren Protest.

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Kommentare zu " Angst vor neuen Unruhen: Touristen wollen nicht mehr nach Ägypten"

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  • @Egyptlover, das hat nichts mit TUI und Profiten zu tun. Wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgibt, dann gibt es keinen Versicherungsschutz mehr. Das ist für Reiseveranstalter zu riskant. Wenn was passiert, wer wird dann gleich auf hohen Schadensersatz verklagt? Genau. Dann heißt es gleich, TUI schickt noch Touristen in ein Kriegsgebiet, um Profit zu machen. Wie man's also macht ist es falsch - wenn Leute keine Ahnung haben.

  • Wir fliegen jedes Jahr im November nach Ägypten. Doch dieses Mal haben wir storniert, die Gefahr ist zu groß. Die, die jetzt fliegen wollen, sollen doch fliegen. Aber bitte ohne das Auswärtige Amt um Hilfe zu bitten, wenn dann doch die Gefahr zu groß wird. Und dass verschiedene Chartergesellschaften die Flüge gestrichen habe finden wir gut. Wenn etwas passiert dann ist das Geschrei groß.
    Sollte sich die Lage im nächsten Jahr verbessert haben fliegen auch wir wieder nach Ägypten.

  • Es gibt noch einige wenige Reiseveranstalter, die einen Urlaub möglich machen: ETI, Schauinsland und FTI bieten nach wie vor Reisen an. Der Flug wird allerdings nur mit Egypt Air möglich sein, soweit ich das überblicken konnte.

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