Angst vor Raketen: Gaza-Konflikt schlägt auf Israels Wirtschaft durch

Angst vor Raketen
Gaza-Konflikt schlägt auf Israels Wirtschaft durch

Der Schaden der Hamas-Raketen für Isreals Wirtschaft ist deutlich höher als bisher berechnet. Aus Angst bleiben Konsumenten und Arbeiter lieber zu Hause. Der Krieg macht die Stadtzentren zu Geisterstädten, und die hohen Kriegskosten sprengen den Haushalt. Ökonomen schlagen Alarm.

TEL AVIV. Der Krieg mit der radikal-islamischen Hamas könnte langfristig auch die Wirtschaft Israels beeinträchtigen. Im Süden des Landes, der an den Gazastreifen grenzt, sind die ökonomischen Auswirkungen des Krieges bereits deutlich spürbar. Einer von sieben Israelis wohnt in der Region, die in Reichweite der Kassamraketen liegt. In den Fabriken arbeitet die Belegschaft nur mit der Hälfte der Kapazität, da viele Arbeiter aus Angst vor Beschuss zu Hause bleiben.

Auch in Caféhäusern und Geschäften macht sich die Krise deutlich bemerkbar. Viele Konsumenten verlassen ihr Haus nicht, weil sie sich dort sicherer fühlen. Die Umsatzeinbußen in den Zentren, die an Geisterstädte erinnern, sind entsprechend hoch. Wer in den Städten Aschkelon, Aschdod, Beerscheba oder Sderot die Runde macht, stößt auf beschädigte Häuser. Biedere Orte sind zu Frontstädten mutiert. Die in den vergangenen 18 Tagen durch Raketen verursachten Schäden werden auf mindestens 50 Mio. Euro geschätzt.

Noch hat niemand die ökonomischen Folgen des Kriegs durchgerechnet. Es komme darauf an, wie lange die Kämpfe noch anhielten, meinte am Sonntag Israels Notenbankchef Stanley Fischer. Würden die Kampfhandlungen jetzt eingestellt, „wären die Folgen gering“.

Bereits jetzt ist absehbar, dass Israels Haushaltsdefizit massiv höher ausfallen wird als in den vergangenen Jahren. Das sei allerdings nicht die Folge des Krieges in Gaza, sondern der globalen Finanzkrise. Weil 45 Prozent der Wirtschaftsleistung exportorientiert ist, würden globale Entwicklungen in Israel unmittelbar durchschlagen, so Fischer. Das Haushaltsdefizit dürfte im laufenden Jahr auf 5,5 Prozent des Sozialprodukts steigen, schätzt Michael Sarel, Chefökonom bei Harel Finance. Im vergangenen Jahr hatte es rund zwei Prozent betragen.

Ökonomen fürchten, dass Ratingagenturen wegen des Krieges und des erwarteten massiven Haushaltsdefizits Israels Kreditwürdigkeit herabstufen könnten. Die Befürchtungen würden vor allem durch finanzpolitische Bedenken verursacht, sagt Joan Feldbaum-Vidra, Israel-Expertin bei Moody’s. Niemand wisse derzeit aber, wie hoch die Kosten des militärischen Konflikts mit der Hamas ausfallen werden.

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