Angst vor Seuchen-Ausbreitung
US-Behörden durchkämmen Dallas nach Ebola-Kranken

Ende September war bei einem Liberianer in Dallas Ebola diagnostiziert worden, nun suchen die Behörden im Großraum Dallas nach weiteren Erkrankten. Die Behandlung des Mannes wirft kein gutes Licht auf die Erstversorgung.
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DallasNach der ersten Ebola-Diagnose in den USA haben die Behörden den Großraum Dallas auf der Suche nach möglichen weiteren Infektionen durchkämmt. Fünf Schüler, die mit einem aus Liberia eingereisten Kranken in Kontakt gekommen waren, standen nach Regierungsangaben vom Mittwoch unter medizinischer Überwachung. Weitere Verdachtsfälle wurden geprüft. Derweil nahm die neue Ebola-Mission der UNO (Unmeer) für Westafrika am Donnerstag ihre Arbeit auf.

Ende September war das Virus bei dem Liberianer in Dallas diagnostiziert worden, der sich in seinem Heimatland angesteckt hatte und für einen Familienbesuch in Texas aufhielt. Da er vor seinem Abflug in die USA keine Symptome der Krankheit gezeigt habe, könne von einem Versagen der Flughafenkontrollen in Monrovia keine Rede sein, erklärte die US-Gesundheitsbehörde CDC.

Allerdings wirft der Fall kein gutes Licht auf die medizinische Erstversorgung in Texas: Denn der Mann hatte wegen seiner Beschwerden schon am 25. September eine Klinik aufgesucht und auf Nachfrage der zuständigen Krankenschwester bejaht, gerade erst aus Afrika eingereist zu sein. Trotzdem schickte sie ihn wieder nach Hause, weil die Ärzte nach Angaben der Gesundheitsbehörden seine Unterleibsschmerzen und niedrigen Fieberwerte als typische Symptome einer "üblichen Virus-Erkrankung" werteten.

Erst drei Tage später wurden die Beschwerden so schlimm, dass er erneut mit einem Krankenwagen in die Klinik gebracht und schließlich unter Quarantäne gestellt wurde. Drei Rettungssanitäter wurden später negativ auf Ebola getestet, stehen wegen der bis zu dreiwöchigen Inkubationszeit aber weiter unter Beobachtung. Da der Infizierte vor der Einweisung ins Krankenhaus auch Kontakt zu Schülern hatte, wurden mehrere Kinder vorsichtshalber vom Unterricht ausgeschlossen und medizinisch untersucht.


Quelle: CDC/VSPB, Elizabeth Ervin I Autor: Maika Paetzold I 20.07.2014

Liberias Regierung äußerte ihr „Bedauern“ darüber, dass trotz strikter Sicherheitsvorkehrungen in Monrovia nun auch in den USA ein Ebola-Fall aufgetaucht sei. Der Vorfall dokumentiere „die klare internationale Dimension dieser Ebola-Krise“, erklärte das liberianische Informationsministerium am Donnerstag. Auf Liberia entfallen fast zwei Drittel der mehr als 3300 in Westafrika registrierten Ebola-Toten. Die anderen beiden Krisenzentren sind Guinea und Sierra Leone.

Inzwischen weist die Seuchenstatistik laut Liberias Staatsführung allerdings „eine Stabilisierung“ der Infektionsrate aus: Die Zahl der Menschen, die mit Gesundheitsbeschwerden in Behandlungszentren vorsprächen, steige nicht mehr so schnell wie bisher, sagte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf. Es bestehe also die Hoffnung, „dass wir endlich auf dem Lösungsweg sind“.

Die UN-Mission zur Eindämmung der Epidemie lief am Donnerstag offiziell an. Der Unmeer-Sonderbeauftragte Anthony Banbury verschaffte sich in Monrovia ein Bild von der Lage und sollte anschließend nach Guinea und Sierra Leone weiterreisen.

Wegen der heiklen Sicherheitslage in den Seuchengebieten forderte die SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis einen generellen Verzicht auf Abschiebungen in die betroffenen Länder. "Bund und Länder sollten dem Beispiel von Rheinland-Pfalz, Hamburg und Niedersachsen folgen und einen Abschiebungsstopp von Flüchtlingen in die von Ebola betroffenen Gebiete erlassen", erklärte Mattheis. Die sich täglich verschärfende Lage in Westafrika gebe Anlass genug dafür.

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