Angst vor Spekulationsblase
Die gefährliche Strategie der Fed

Die amerikanische Notenbank pumpt immer mehr Geld in die Wirtschaft und beeinflusst damit auch die Strategien der übrigen Zentralbanken – jüngstes Beispiel ist Japan. Der billige Dollar und seine Folgen bereiten Experten Sorgen. Die Angst vor einer neuen Spekulationsblase wächst.
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FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die expansive Strategie der amerikanischen Notenbank hat nicht nur Folgen für die USA. Sie hat auch starke Auswirkungen auf die Strategien der übrigen Zentralbanken. Deshalb sehen Geldpolitiker, Ökonomen und auch Politiker in Europa und Asien die geplante weitere geldpolitische Lockerung der Federal Reserve bestenfalls mit gemischten Gefühlen. Bei vielen greift sogar die Angst um sich, dass mit den billigen Dollar eine neue Spekulationsblase erzeugt wird.

Die Sorgen wurden gestern durch die Pläne der japanischen Notenbank verstärkt. Die Bank of Japan kündigte an, die japanische Wirtschaft ebenfalls mit eigenen großen Liquiditätsspritzen zu stimulieren. Die Geldpolitiker in Tokio beschlossen, anders als bisher, sogar Unternehmensanleihen mit Bonitätsbewertungen bis „BBB“ herab aufzukaufen. Damit will Notenbankchef Masaaki Shirakawa erneut versuchen, die seit mehr als zehn Jahren in der Deflation gefangene Wirtschaft anzukurbeln.

Außerdem zog die japanische Notenbank den Beginn ihres nächsten zweitägigen Treffens von Mitte November auf kommenden Donnerstag vor – offenbar um direkt auf die für Mittwoch geplanten Beschlüsse der Fed reagieren zu können. Die Sorge der Japaner ist, dass Fed-Chef Ben Bernanke die Geldschleusen stärker als erwartet öffnen und damit den Dollar gegenüber dem Yen weiter schwächen könnte.

Nach Einschätzung von Experten wird die japanische Notenbank dies nicht tatenlos hinnehmen: „Sie wird versuchen, die negativen Auswirkungen einer weiter gelockerten US-Geldpolitik abzufedern“, sagte der Chefökonom von Dai-ichi Life Research, Hideo Kumano. Dazu legte sie sich schon gestern zwei weitere Waffen zurecht: Die Regierung erlaubte der Notenbank, in Zukunft auch börsengehandelte Fonds (ETF) und börsennotierte Immobilienfonds (REIT) aufzukaufen. Bereits Anfang des Monats hatte die japanische Notenbank angekündigt, durch den Ankauf von Staatsanleihen weitere umgerechnet 61 Mrd. Dollar in den Markt zu pumpen.

Während sich die Krisenländer USA und Japan mithin einen regelrechten Wettlauf darum liefern, wer die Wirtschaft am stärksten mit Geld flutet, hat die chinesische Notenbank bereits begonnen, die Leitzinsen zu erhöhen. Beobachter rechnen mit weiteren Zinsschritten im laufenden Jahr. Schließlich wächst die Wirtschaft nach wie vor mit einer Jahresrate von rund zehn Prozent.

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