Angst vor überhitzter Konjunktur
Peking führt Preiskontrollen ein

Chinas Führung geht jetzt mit drastischen Maßnahmen gegen eine mögliche Überhitzung der Konjunktur vor. Die oberste Planungsbehörde kündigte am Montag mit sofortiger Wirkung scharfe Preiskontrollen an, um das Wachstum zu dämpfen.

mg PEKING. Damit verabschiedet sich Peking von seinem bisherigen Reformkurs. Experten befürchten, dass China durch ein zu starkes Bremsmanöver den Aufschwung der Weltwirtschaft gefährden könnte.

Nach Angaben der obersten Planungsbehörde dürfen die Preise von Konsumgütern innerhalb von drei Monaten höchstens um 4 % steigen. Außerdem müssen lokale Behörden Investitionen, die die Inflation von zuletzt 2,8 % anheizen könnten, für drei Monate einfrieren. Bereits in der vergangenen Woche hatte Chinas Premier Wen Jiabao angekündigt, die Gefahr eines ungebremsten Wachstums energisch bekämpfen zu wollen. Seitdem werden landesweit praktisch alle großen Investitionen überprüft. Außerdem haben die chinesischen Banken ihre Kreditvergabe massiv gedrosselt. Im vergangenen Jahr war Chinas Wirtschaft um 9,1 % gewachsen, im ersten Quartal 2004 legte das Bruttoinlandsprodukt um 9,7 % zu.

Volkswirte prüfen derzeit, welche Auswirkungen eine spürbare Abkühlung der chinesischen Konjunktur auf die Weltwirtschaft haben könnte. Die Asiatische Entwicklungsbank war bislang davon ausgegangen, dass China in diesem Jahr mit 15 % zum Wachstum der Weltwirtschaft beitragen werde. Da China zuletzt immer größere Mengen Rohstoffe importiert hat, würde sich eine Verlangsamung des Wachstums zwar preisdämpfend auf die Rohstoffmärkte auswirken. Gleichzeitig aber fürchtet beispielsweise Südkorea, dass sein wichtigster Exportmarkt China durch eine restriktive Wachstumspolitik der Pekinger Führung in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Als kritisch bewerten Volkswirte eine mögliche „harte Landung“ der chinesischen Wirtschaft mit Wachstumsraten unter 5 %. Die meisten Experten rechnen jedoch mit einer „weichen Landung“. Die Risiken seien „beherrschbar“ und die „Maßnahmen der Regierung angemessen“, sagt der China-Experte der Deutschen Bank in Hongkong, Jun Ma.

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