Anhänger blockieren Verkehrsadern
Mexiko-Stadt droht totaler Stillstand

Der unterlegene mexikanische Linkskandidat Andrés Manuel López Obrador ruft zu zivilem Ungehorsam auf. Er will den Widerstand gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl ausdehnen, um so seiner Forderung nach einer Neuauszählung aller Stimmen Nachdruck zu verleihen.

keh MEXIKO-STADT. Vier Wochen nach der Wahl rief er seine Anhänger bei einer Massenkundgebung dazu auf, Mexiko-Stadt zu besetzen, bis das Wahlgericht eine Entscheidung gefällt hat. „Wir bleiben Tag und Nacht hier, bis die Stimmen nachgezählt sind“, sagte er unter dem Beifall von rund einer Million Anhänger.

Bei der Wahl am 2. Juli war López Obrador mit dem hauchdünnen Rückstand von 0,58 Prozentpunkten seinem konservativen Gegenkandidaten Felipe Calderón unterlegen. Laut der Wahlbehörde IFE entschieden nur rund 244 000 Stimmen über den Sieger. Nun wiederholte López Obrador seinen Betrugsvorwurf: „28 Tage nach der Wahl sind wir absolut sicher und haben genügend Beweise dafür, dass wir die Präsidentschaftswahl gewonnen haben“, sagte er. Der Linkskandidat vermutet einen organisierten Betrug, zu dem sich die Wahlbehörde IFE, die konservative Regierungspartei PAN und Amtsinhaber Vicente Fox verabredet haben. Die Demonstration auf dem Zócalo – dem zentralen Platz im Herzen der mexikanischen Hauptstadt – war bereits der dritte Massenprotest nach der Wahl.

In der Nacht zu Montag schlugen erste Demonstranten ihre Zelte auf dem Zócalo auf. López Obrador ermunterte seine Anhänger, ähnliche Camps an 47 Plätzen in Mexiko-Stadt einzurichten und dort „ständige Versammlungen“ abzuhalten, um den Druck auf das Wahlgericht TEPJF zu erhöhen. Die Richter haben bis zum 31. August Zeit, um über Wahlbeschwerden zu entscheiden (siehe „Warten auf den neuen Staatschef“). „An die Arbeit, verteidigen wir die Demokratie mit Taten”, rief der Linkskandidat seinen Sympathisanten zu. Er mahnte seine Anhänger, dass der Widerstand friedlich bleiben müsse.

Eines der Zeltlager wurde auf einer der Hauptverkehrsachsen der Stadt errichtet: Auf der „Reforma“ – der wichtigsten Ost-West-Verbindung – wurden zunächst vier der sechs, später alle Spuren gesperrt. „Reforma soll sich in eine Fußgängerzone für die Demokratie verwandeln“, sagte ein Abgeordneter von López Obradors Partei PRD.

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