Anhaltende Übergriffe
Südafrika fürchtet um sein Image

Die Gewalt gegen Einwanderer in den Elendsvierteln südafrikanischer Großstädte droht den Ruf des Landes dauerhaft zu schädigen. Die Regierung hat jetzt die Armee in die Townships geschickt, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Dennoch wachsen die Zweifel, ob Südafrika 2010 eine sichere Fußball-Weltmeisterschaft bieten kann. Auch die Wirtschaft fürchtet um das Image der Kaprepublik.

KAPSTADT. Die seit zehn Tagen anhaltenden Übergriffe gegen Einwanderer vor allem aus den Nachbarländern Mosambik und Simbabwe hat mittlerweile fast 50 Todesopfer gefordert, Hunderte Menschen wurden verletzt. Allein in der Provinz Gauteng – der Wirtschaftsmetropole des Landes, in der auch Johannesburg und die Hauptstadt Pretoria liegen – wurden 30 000 Bewohner aus ihren Unterkünften vertrieben.

Die Unruhen hatten in dem Johannesburger Township Alexandra begonnen und griffen von dort auf umliegende schwarze Wohngebiete über. Auch in den Provinzen Kwazulu-Natal und Mpumalanga kam es zu Ausschreitungen – allerdings in deutlich geringerem Ausmaß, auch weil die Polizei hier, anders als in Johannesburg, sofort reagierte. Dennoch kehren aus Angst vor der Gewalt viele Immigranten in ihre Heimatländer zurück. So teilte die Einwanderungsbehörde Mosambiks mit, 10 000 Menschen seien mit von der Regierung bereitgestellten Bussen aus Südafrika geflohen.

Wie ernst die Lage ist, zeigt sich daran, dass Südafrikas Präsident Thabo Mbeki die Armee in die Elendsviertel beordert hat, um dort die regulären Polizeikräfte zu unterstützen. Die Entscheidung ist symbolträchtig: Es ist das erste Mal seit dem Ende der Apartheid, dass Soldaten zur Aufrechterhaltung der Ordnung in die Townships entsandt werden.

Auch die Wirtschaft reagiert nervös auf die Krawalle: Der südafrikanische Rand verzeichnete in den vergangenen Tagen starke Einbußen – ein klares Indiz dafür, dass immer mehr Ausländer aus Sorge ihr Geld aus der Kaprepublik abziehen.

Besonders stark könnte der Tourismussektor, der rund acht Prozent zum Sozialprodukt beisteuert und mehr als eine Million Menschen beschäftigt, unter den Auswirkungen der Gewalt leiden. Vor allem Touristen aus anderen afrikanischen Staaten, die mit Abstand die größte Besuchergruppe am Kap stellen, könnten von einer Visite abgeschreckt werden. So hat soeben eine große Zahl weiblicher Delegierter aus anderen afrikanischen Staaten in letzter Minute die Teilnahme an einem hochkarätigen Wirtschaftstreffen in Kapstadt abgesagt. Das Auswärtige Amt in Berlin ruft Südafrika-Reisende zu besonderer Vorsicht auf und rät dringend davon ab, die Innenstadt von Johannesburg oder die schwarzen Wohngebiete in den Randgebieten anderer südafrikanischer Großstädte zu besuchen.

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