Anhörung
Cameron mauert in der Abhöraffäre

Der britische Premier wehrt sich dagegen, in den Strudel um den "News of the World"- Skandal gezogen zu werden. Er schmettert alle Vorwürfe ab, verspricht aber auch einschneidende Änderungen.
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LondonIn der Abhör- und Korruptionsaffäre um den Medienkonzern von Rupert Murdoch hat der britische Premierminister David Cameron nur indirekt Fehler eingeräumt. In einer Sondersitzung des Unterhauses bedauerte Cameron am Mittwoch den öffentlichen Aufruhr über die Einstellung des früheren Chefredakteurs des Boulevardblatts „News of the World“ als seinen Sprecher. Das Ausmaß der Affäre sei damals nicht absehbar gewesen.

„Man lebt und man lernt - und glauben Sie mir: Ich habe gelernt“, sagte Cameron. Eine Entschuldigung lehnte er aber vorerst ab und bestritt auch jegliches Fehlverhalten seiner Mitarbeiter. Die Opposition kritisierte den Auftritt als halbherzig. Zu einer ernsten Gefahr für Cameron dürfte die Affäre nach Einschätzung von Beobachtern aber nicht werden.

Cameron hatte für die Sondersitzung im Unterhaus seine Afrikareise verkürzt. Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen hätten sich seine Mitarbeiter „vollkommen richtig“ verhalten, sagte Cameron den Abgeordneten. Zugleich wies er den Vorwurf der Opposition zurück, er habe mit seinen zahlreichen Kontakten zu Managern und Journalisten des Murdoch-Konzerns News Corp gegen Verhaltensregeln des Parlaments verstoßen.

Oppositionsführer Ed Miliband ließ dies nicht gelten und forderte Cameron zu einer Entschuldigung dafür auf, dass er mit Andy Coulson einen ehemaligen Chefredakteur des Boulevardblatts für mehrere Jahre zu seinem Sprecher ernannt hatte. Cameron erwiderte, auch für Coulson müsse vorerst die Unschuldsvermutung gelten. „Sollte sich aber herausstellen, dass ich angelogen wurde, wäre dies Anlass für eine umfassende Entschuldigung.“

Der 80-jährige News-Corp-Chef Rupert Murdoch und sein Sohn James hatten am Dienstag vor dem Medienausschuss des Parlaments jede Mitwisserschaft an kriminellen Machenschaften von Journalisten der mittlerweile eingestellten „News of the World“ zurückgewiesen. Sie zeigten sich aber bestürzt über das Abhören Tausender Mobiltelefone sowie Schmiergeldzahlungen an die Polizei, wofür sie sich auch entschuldigten.

Das britische Königshaus wies unmittelbar vor Camerons Auftritt Berichte zurück, denen zufolge es ihn gewarnt haben soll, Coulson als Kommunikationschef einzustellen. Coulson trat als Chefredakteur zurück, nachdem der Königshausreporter Clive Goodman und der Privatdetektiv Glenn Mulcaire wegen des illegalen Zugriffs auf Telefone der königlichen Familie festgenommen wurden. Der Abgeordnete Chris Byrant sagte der BBC am Mittwoch, dass Berater des Königshauses bestürzt darüber gewesen seien, dass Cameron Coulson angesichts seiner Rolle im Abhörskandal eine Stelle gab.

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