Anhörung in Mannheim
Anwalt will Verwendung von Folterfotos verhindern

Nach dem Willen des Anwalts des Hauptbeschuldigten sollen die Fotos von Misshandlungen irakischer Kriegsgefangener im Militärprozess gegen vier US-Soldaten nicht verwendet werden dürfen. Sie seien ohne Zustimmung des 35-jährigen Militärpolizisten Charles Graner von dessen Computer-Festplatte gezogen worden, sagte der Verteidiger Graners am Montag bei einer zweitägigen Anhörung in Mannheim.

HB MANNHEIM. Die Fotografien hatten weltweit für Empörung gesorgt. Mehrere hundert Bilder, auf denen die Misshandlungen zu sehen sind, sind Grundlage für die Anklage. Danach sollen die als Wärter in dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad eingesetzten US-Soldaten ihre Gefangenen sexuell erniedrigt und geschlagen haben. Bei der Anhörung soll über die Eröffnung des Hauptverfahrens vor dem Militärgericht entschieden werden.

Graner gilt als Anführer der Übergriffe auf die Iraker. Auf mehreren Fotos ist er vor einer Pyramide nackter Gefangener zu sehen. Er selbst soll die Fotos geschossen haben, auf denen die US-Soldatin Lynndie England einen nackten Gefangenen an einer Hundeleine hält. Die 21-jährige England ist nach eigenen Angaben von Graner schwanger. Die Anklage wirft Graner vor, die Iraker gezwungen haben, sich voreinander auszuziehen und sich selbst zu befriedigen. Die Verteidiger argumentierten, dass ihre Mandanten am unteren Ende einer Befehlskette stünden, die darauf abgezielt habe, Gefangene für Verhöre gefügig zu machen. Graners Position entspricht dem Rang eines Stabsgefreiten - dem viertniedrigsten. Der höchstrangige Angeklagten ist Unteroffizier (Oberfeldwebel). Die US-Militärführung hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Graners Anwalt schilderte bei der Anhörung in Mannheim, wie sein Mandant mitten in der Nacht aufgeweckt worden sei. Seine Zustimmung zur Durchsuchung des Raums, bei der auf einem Laptop die Folter-Aufnahmen gefunden worden waren, sei ungültig, weil dabei schlaftrunken und völlig verwirrt gewesen sei, sagte der Verteidiger. Der in Wüstenuniform gekleidete US-Soldat selbst sagte, er habe im Irak zeitweise 17 Stunden am Tag Gefangene transportiert. Der Dauerbeschuss habe großen Stress ausgelöst: „Einige aus unserer Einheit sind getroffen worden. Meine zwei Zimmergenossen wurden verletzt.“

Die Anhörung war auf Antrag der Verteidiger von Bagdad nach Mannheim verlegt worden. Damit sollte Zeugen und Angehörigen der Beschuldigten die Möglichkeit gegeben werden, ohne Gefahr an dem Verfahren teilzunehmen. Richter James Pohl muss über Anträge der Verteidigung entscheiden, auch das weitere Verfahren von Bagdad nach Europa oder in die USA zu verlegen, einzelne Äußerungen der Angeklagten nicht zu berücksichtigen und einen der Fälle ganz niederzuschlagen. Insgesamt werden sieben Militärpolizisten aus der Einheit der Teilnahme an den Misshandlungen beschuldigt. Bei einer ersten Anhörung im Juni hatte Graners Verteidiger gefordert, US-Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Zeugen zu laden.

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