Anhörung soll Dienstag beendet werden
Kamerad belastet US-Soldatin England

Die US-Soldatin im Zentrum des Misshandlungsskandals von Abu Ghoreib, Lynndie England, ist am Montag von einem Kameraden schwer belastet worden.

HB WASHINGTON. Bei der Anhörung vor einer Militärkommission, die über die Anklageerhebung gegen England entscheidet, sagte ein Zeuge der Verteidigung, nach seinem Eindruck gab der militärische Geheimdienst Anweisungen zur Misshandlung von Gefangenen. Die Verteidigung verlangte am Montag die Zulassung weiterer sechs Zeugen, sagte der Sprecher des Stützpunktes in Fort Bragg (North Carolina), Richard Patterson. Die Anhörung sollte am Dienstag zu Ende gehen.

Die 21-Jährige habe Gefangenen auf Zehen und Fingern rumgetrampelt und sich amüsiert, während Gefangene gezwungen wurden, sich nackt zu einer Pyramide aufeinander zu legen, sagte Jeremy Sivits der Militärkommission nach US-Medienberichten. Sivits war wegen Misshandlungen bereits schuldig gesprochen worden und verbüßt am Stützpunkt Camp Lejeune eine einjährige Haftstrafe. Er sagte telefonisch aus. England war bei der Aussage anwesend, habe aber keine Gefühlsregung gezeigt, berichteten Reporter.

Kenneth Davis, der als Mitglied der Armee-Reservegarde im Irak war, sagte zur Verteidigung Englands nach Angaben von anwesenden Reportern aus, Mitglieder des Militärgeheimdienstes hätten offenbar Instruktionen zur Misshandlung von Gefangenen gegeben. Der Militärgeheimdienst mache nur seinen Job, habe ihm sein Vorgesetzter beschieden, als er ihm über Misshandlungen berichtete, die er selbst beobachtet hatte. Der Vorgesetzte hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, er erinnere sich nicht an das Gespräch.

Die Kommission werde am Dienstag entscheiden, ob die Verteidigung weitere Zeugen aufrufen kann, sagte der Sprecher des Stützpunkts, Patterson. Die Kommission entscheidet, ob Anklage gegen England erhoben wird. Ihr drohen bei Schuldsprüchen in allen 19 Anklagepunkten 38 Jahre Haft. Die 21-Jährige, die im Oktober ein Baby erwartet, hatte sich in einem Fernsehinterview damit verteidigt, dass die Soldaten in Abu Ghoreib aufgefordert gewesen seien, die Gefangenen „weich zu klopfen“. Mehrere Zeugen der Anklage bestritten aber, dass es entsprechende Befehle gab.

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