Ankara
Massenprotest gegen Präsidenschaftskandidatur Erdogans

Mehr als 100 000 Türken haben am Samstag in Ankara kurz vor Beginn der heißen Phase der Wahl eines neuen Staatspräsidenten gegen eine Kandidatur des islamisch-konservativen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan protestiert.

HB ANKARA. Die Demonstranten, die rote Landesflaggen mit Stern und Halbmond trugen, waren aus allen Landesteilen angereist, wie türkische Fernsehsender berichteten. Die Menge strömte anschließend zum Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk und skandierte unter anderem: „Die Türkei ist laizistisch und wird es bleiben.“ An der hauptsächlich von einem „Verein zur Pflege des Gedankenguts Atatürks“ organisierten Demonstration nahmen auch der türkische Oppositionsführer Deniz Baykal von der Republikanischen Volkspartei CHP und andere Parteiführer teil.

Erdogan hat bislang offiziell nicht erklärt, ob er für das Präsidentenamt kandidieren wird. Der türkische Staatspräsident wird vom Parlament gewählt, in dem die islamisch-konservative Regierungspartei AKP eine deutliche Mehrheit hat. Die Bekanntgabe der Kandidaten beginnt kommenden Montag und dauert zehn Tage. Erst am Freitag hatte der scheidende Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer vor den Gefahren einer Islamisierung der Türkei gewarnt. Die Gefahr sei so groß wie nie zuvor, hatte Sezer in einer Rede vor der Militärakademie in Istanbul erklärt. Auch die türkische Militärführung hatte angemahnt, dass der neue Staatspräsident nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten für die in der Verfassung festgeschriebene Trennung von Staat und Religion einzutreten habe.

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