Ankara will verhindern, dass Erdölvorkommen unter kurdische Kontrolle gelangen
Türkei erwägt militärischen Einmarsch im Irak

Die türkischen Streitkräfte treffen Vorbereitungen für eine militärische Intervention in Nordirak. Notfalls soll mit einem Einmarsch mehrerer zehntausend Soldaten verhindert werden, dass die Erdölvorkommen der Region Kirkuk unter kurdische Kontrolle kommen. Damit will Ankara zugleich die mögliche Bildung eines Kurdenstaats in Nordirak abblocken.

ANKARA. Informationen aus diplomatischen Kreisen in Ankara zufolge hat der türkische Generalstab bereits detaillierte Pläne für ein militärisches Eingreifen in Nordirak ausgearbeitet.

Vorgesehen ist der Einsatz von rund 40 000 Soldaten der im ostanatolischen Malatya stationierten 2. Armee. Die Truppen könnten bei einem Marschbefehl innerhalb von 18 Stunden die Grenze nach Nordirak überqueren. Die geplante Operation soll bereits am 14. Oktober Thema einer Lagebesprechung unter Vorsitz von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gewesen sein. An dem Treffen nahmen neben den Ministern für Äußeres und Verteidigung auch Generalstabschef Hilmi Özkök und dessen Stellvertreter, General Ilker Basbug, teil. Sechs Tage später reiste der Oberkommandierende der türkischen Landstreitkräfte, General Yasar Büyükanit, zu einer Inspektion der 2. Armee nach Malatya.

Zu Berichten über die geplante Operation haben bisher weder Regierung noch Generalstab eindeutig Stellung genommen. Vize-Generalstabschef Basbug erklärte am Dienstag vor der Presse in Ankara zwar, es gebe keine Absicht eines unmittelbaren militärischen Eingreifens in Kirkuk, man bereite aber „Pläne für jede Art von Eventualität“ vor. Die Region berge zwölf Prozent der irakischen Erdölreserven, sagte Basbug.

Wenn man diese Ressourcen „einer Gruppe allein überließe, würde dies einen großen Konflikt auslösen“, sagte der General und mahnte: „Wir wollen, dass die Bodenschätze von Kirkuk von allen Irakern geteilt werden“, sonst drohe der Region „ein Bürgerkrieg“. Kirkuk ist traditionell eine multi-ethnische Stadt, die von Kurden, Turkmenen, Arabern und assyrischen Christen bewohnt wird. Vor der Machtübernahme von Saddam Hussein stellten Turkmenen 40 und Kurden 35 Prozent der Bevölkerung.

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