Anleger aus dem Ausland steigen direkt bei Unternehmen ein
Japan öffnet sich für Investoren

Für viele Japaner gilt es als Inbegriff der Erholung, in eine heiße Thermalquelle – Onsen genannt – einzutauchen. Dass sie bei einem Wochenendaufenthalt in einem der Onsen-Hotels demnächst Kunde von Goldman Sachs sein könnten, wissen allerdings die wenigsten.

HB TOKIO. Im Mai hat die US-Investmentbank gemeinsam mit dem Hotelbetreiber Hoshino Resort ein Gemeinschaftsunternehmen ins Leben gerufen, das in den kommenden Jahren 50 Onsen-Hotels aufkaufen und sanieren will. Hotelbesitzer und Regionalbanken hätten ihnen mit Anfragen und Angeboten die Türen eingerannt, begründen die Unternehmen ihr Engagement.

Der Einfluss ausländischer Unternehmen in Japan ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich größer geworden – Goldman Sachs ist dafür nur ein Beispiel. Im Zuge der Wirtschaftskrise Mitte der 90er-Jahre öffnete sich der japanische Markt für Kapital aus dem Ausland. Das gilt nicht nur für medienträchtige Übernahmen wie die Beteiligung von Renault an Nissan Motor oder den Einstieg ausländischer Fonds bei heruntergewirtschafteten Banken – der heutigen Shinsei, Aozora oder Tokyo Star Bank. Der Aufkauf fauler Kredite und Immobilien von Banken und Unternehmen entwickelte sich zum lukrativen Wirtschaftszweig für ausländische Investoren – ähnlich wie in Deutschland, nur früher.

Mittlerweile hat diese Tendenz auch kleinere Unternehmen in ländlicheren Gegenden erfasst. Der Ruf von der abgeschotteten Volkswirtschaft ist heute Geschichte. Die größten Betreiber japanischer Golfplätze etwa sind der US-Investmentfonds Lone Star mit seiner Tochter Pacific Golf Management und einmal mehr Goldman Sachs mit seiner Tochter Accordia Golf, die allein 80 Anlagen im Land des Lächelns betreibt. Lonestar und Goldman Sachs erwägen, ihre Beteiligungen an die Börse zu bringen.

Nachdem die japanischen Großbanken den überwiegenden Teil ihrer faulen Kredite abgebaut haben, steht jetzt auch bei den Regionalbanken das Aufräumen an. Dabei sind ausländische Investoren wegen ihrer Erfahrungen mit Sanierungen gefragte Partner.

Die Einstellung gegenüber aus-ländischen Investitionen hat sich in Japan in den vergangenen Jahren verändert. Früher seien sie oft nur akzeptiert worden, um keine Nachteile im Handel mit dem Ausland zu erleiden, meint Osamu Watanabe, Chef der Außenhandelsorganisation Jetro. Doch mittlerweile sei der Regierung und vielen Unternehmen klar, dass Investoren große Chancen bieten. So hat Ministerpräsident Junichiro Koizumi das Ziel ausgegeben, die ausländischen Direktinvestitionen zu verdoppeln. Im vergangenen Jahr überstieg der Kapitalfluss nach Japan erstmals die Investitionen japanischer Unternehmen im Ausland. Experten erwarten, dass geplante Erleichterungen für einen Aktientausch bei internationalen Übernahmen einen neuen Schub für Investoren bedeuten.

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